7 Kommentare zu “Das Einmaleins von Rechten und Pflichten”

  1. na das ist ja ein schlechter artikel: es hat doch keiner etwas gegen eine rentenversicherungspflicht für selbstständige, aber nicht einkommensunabhängig, so wie angedacht. darin liegt doch die ungerechtigkeit dieses plans. 400 € zahlt ein angestellter als arbeitnehmeranteil in die bfa ein, wenn er knapp 4000 € brutto verdient, das ist am anfang einer selbstständigkeit selten zu schaffen. eine zweite ungerechtigkeit liegt doch gerade darin, dass einkommensstarke, gesunde selbständige wie ärzte, apotheker usw. ihre eigenen versorgungswerke haben und sich aus der bfa rausgezogen haben. wenn solidarität, dann richtig und alle in einen topf. im übrigen finde ich, sollte der bffs dafür kämpfen, dass schauspieler auf honorar arbeiten können. freiheit würde entstehen und es hätte sich dieses ganze arbeitslosenversicherungsproblem gelöst. schauspieler könnten selbstständig sein, kämen in die ksk, würden einkommensabhängig renten- und krankenversicherung zahlen und könnten freiwillig in arbeitslosenversicherung einzahlen um für schlechte zeiten gesichert zu sein. es ist doch lächerlich, zu behaupten, ein schauspieler sei weisungsgebunden. dann wäre es doch ein kameramann oder regisseur auch. das funktioniert doch eh alles nur im team und gemeinsam. warum setzt der bffs nicht dafür ein?

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    “Gibt es eine wirtschaftliche Freiheit, anderen auf der Tasche liegen zu dürfen?”
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    Lieber BFFS, da es hier ja um Armut geht, ist eure rhetorische Frage absolut unterirdisch! Die Armen sollen doch bitte den Anderen ‘nicht auf der Tasche liegen’. Neoliberaler Zeitgeist at its best.

    Ich glaube wir können davon ausgehen, das kaum ein Mensch die Motivation hat, in Zukunft Arm sein zu wollen. Weder Angestellte, noch Selbständige. Ihr wollt doch auch nicht arm sein? Die Selbständigen, die es sich leisten können (weil sie genug verdienen), die sorgen daher überwiegend bereits für ihr Alter vor und zwar auf ganz unterschiedlichen Wegen, vielleicht per Immobilie, die sie während ihrer Schaffenszeit abbezahlen, vielleicht per Aktienfonds, private Versicherungen, oder auf noch anderen Wegen. Eine große Zahl von Selbständigen kann sich von ihren Einkommen allerdings kaum eine Altersvorsorge leisten und wird durch eine Zwangsversicherung mit 400,- € Pauschalabgabe erst recht in die Armut getrieben, weil die Selbständigkeit dann in vielen Fällen nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Sollen die halt wieder als Angestellte arbeiten, weil die ja angeblich zu hauf in die Selbständigkeit ‘gedrängt’ wurden? Auch alle Angestellen, die derzeit ein Einkommen auf Durchschnittsniveau beziehen, werden in der Altersarmut landen, weil ihre künftige Rente unterhalb des Existenzminimums liegt.

    Wem wollt ihr jetzt unterstellen, Anderen ‘auf der Tasche zu liegen’? Wieviele von uns Schauspielern liegen denn bitte Anderen ‘auf der Tasche’, weil wir uns keinen Beruf ausgesucht haben, von dem wir leben können, sondern stattdessen die meiste Zeit ALG2 beziehen müssen und im Alter damit erst Recht arm sind? Sollte es dafür eine ‘wirtschaftliche Freiheit’ geben? Wie oft müssen sich Schauspieler und andere Künstler diesen Scheiss schon anhören? Die Tür, die ihr mit eurer ‘Argumentation’ aufstoßt, ist eine ganz, ganz böse!

    1. Liebe Dani

      Wenn etwas „neoliberal at its best“ ist, dann ist es diese Petition des Jung-IT-Unternehmers aus Münster. Der redet in seiner Petition davon, dass der Staat „grundsätzlich“ nicht das Recht hätte, seine Bürger zu Versicherungen zu verpflichten. Das ist extrem neoliberal und unsolidarisch!

      Bedenke bitte, die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbständige soll nicht für „arme“ Selbständige gelten. Die wären sowieso befreit. Auch Existenzgründer bräuchten am Anfang nicht zu zahlen. Überhaupt soll auf die besondere Situation Selbständiger Rücksicht genommen werden. Also: Niemand soll durch eine starre Pauschalabgabe von 400 Euro in die Armut getrieben werden.

      Du als Künstlerin hast sowieso nichts mit der neuen Rentenversicherungspflicht zu tun.

      Ich gehe mal davon aus, Du bist Schauspielerin. Dann gehörst Du nicht zur Zielgruppe, weil Du bereits rentenversicherungspflichtig bist! Entweder „normal“ als (kurz befristet) Angestellte, weil Du drehst oder Theater spielst etc. Oder über die KSK, weil Du Lesungen machst, eigene Programme spielst etc. Oder Du bist überwiegend angestellt z. B. bei Film, Fernsehen, Theater und machst nebenher (sprich „nebenberuflich“) selbständige Tätigkeiten. DAS SIND ALLES AUSSCHLUSSKRITERIEN!

      Wir SchauspielerInnen und KünstlerInnen liegen niemanden auf der Tasche, weil wir je nach Verdiensthöhe Sozialabgaben zahlen (müssen) und somit für uns UND ANDERE vorsorgen! Ob Gering- oder Besserverdiener, wir leisten bereits unseren Solidarbeitrag. Und ich möchte Dich bitten, liebe Dani, unsere Kolleginnen und Kollegen nicht mit denen in einen Topf zu werfen, die ihrer Solidarpflicht eben nicht nachkommen wollen.

      Lies bitte die Eckpunkte der geplanten Reform. Die geplante Rentenversicherungspflicht greift sich andere als uns: Sie richtet sich an Selbständige, die bisher nicht pflichtig waren (im Gegensatz zu Dir) und auch keine echte Vorsorge betreiben, obwohl sie es sich leisten könnten! Und davon gibt es viel zu viele.

      Immobilien und Aktien allein sind keine echte Vorsorge. Das hat uns die Immobilien- und Finanzkrise gründlich gelehrt. Im Übrigen könnten Häuser und Aktien versilbert werden, dann ist die Vorsorge futsch. Private Versicherungen sollen angerechnet werden, wenn sie unveräußerbar sind.

      Wenn die (potenten) Selbständigen wegen unternehmerischen Fehlleistungen und unterlassener eigener Vorsorge bedürftig werden, musst Du sie mit Deinen Steuern mitfinanzieren. Du, der Du für Deine eigene Vorsorge selber aufkommen musst.

      Und wenn diese Leute diesen Vorgang mit ihrer „wirtschaftlichen Freiheit“ rechtfertigen, bleibe ich dabei: Diese Leute nehmen sich das Recht raus, „anderen auf der Tasche“ liegen zu dürfen! Auch uns SchauspielerInnen und KünstlerInnen!

      Das ist die Krankheit unserer Zeit: Gewinne werden privatisiert – die Verluste sozialisiert.

      Die meisten von uns SchauspielerInnen sind arm (55% verdienen weniger als 20.000 Euro im Jahr) und leisten doch ihren Beitrag in das Solidarsystem. Und ausgerechnet wir sollen Verständnis haben für Leute, die ihre „wirtschaftliche Freiheit“ über alles stellen und sich nicht am Solidarsystem beteiligen wollen? Wir sollen Leuten unter die Arme greifen, die sich umgekehrt weigern, das gleiche für uns zu tun?

      Liebe Dani, ich weiß nicht, wie das für Dich ist, aber für mich hört da der Spaß auf!

      Und deswegen bin ich für eine Erwerbstätigenversicherung, die alle in die Pflicht nimmt – je nach Höhe des Verdienstes. An der konzipierten Rentenversicherungspflicht habe ich noch einige Kritikpunkte, aber es ist der erste Schritt hin zu einer allumfassenden Erwerbstätigenversicherung. Und die wäre ein Segen für alle – und gerade für uns Schauspieler!

      Viele liebe Grüße

      Heinrich Schafmeister

      1. Lieber Heinrich,

        weil ich also als Künstlerin von den Plänen angeblich nicht direkt finanziell betroffen bin, kann ich also aufatmen und mir die Panik in meinem engeren Freundeskreis egal sein lassen? Ich kenne einige Selbständige in meinem Freundeskreis, die bei Umsetzung dieser Pläne ihren Beruf direkt aufgeben müssten, darunter auch mein Lebenspartner (dadurch bin ich sehr wohl sehr direkt betroffen!), weil die Geschäfte eben nicht genug abwerfen um der Versicherungspflicht nachkommen zu könne. Ich habe mir die Pläne sehr wohl genau angeschaut, wir haben uns mit anderen Betroffenen mehrmals getroffen und die Situation besprochen, du kannst davon ausgehen, das wir sehr gut informiert sind:
        – Eine Befreiung ist nur für über 50-jährige geplant oder für Einkommen unter 400,- €. Alle anderen Selbständigen, wenn sie von ihrer Selbständigkeit gerade halbwegs leben können, werden in direkter Armut landen.

        – Es stimmt, 400,- € Abgabe ist kein Pauschalbetrag, sondern noch viel schlimmer, der MINDESTbetrag, denn die Beiträge sollen so hoch sein, daß man im Alter nicht auf Hilfe angewiesen ist. Im besten(!) Falle sollen das bei 45 Jahren durchgehender Selbständigkeit dann 400,-€ im Monat sein. In den meisten Fällen wird das aber deutlich mehr sein, wer ist denn von 22 bis 67 durchgehend selbständig und in der Lage 400,- € im Monat abzudrücken, wenn das Gesetz nächsten Jahr in Kraft treten soll? Die Leute die ich kenne sind 35-45 und müssten dann so 700,- im Monat zahlen. Im Alter sind sie damit aber auch nur gerade an der Armutsgrenze. Meinst du ernsthaft, Selbständige die von 1500€ leben, sind ‘potent’ um das zu stemmen? 1 Million Selbständige leben von nicht mal 1200,- €! Das ist der totale Irrsinn, um im Alter (also in 20-30 Jahren) wegen “unternehmerischer Fehlleistungen” wie du es nennst, niemanden “auf der Tasche zu liegen”, sollen viele Leute also direkt ihren Beruf aufgeben, von dem sie aktuell über die Runden kommen? Direkt in die Armut?

        Im übrigen können ca. 80%-90% der Schauspieler nicht vom Beruf leben. Deine 50% sind vielleicht KSK-versicherte. Es gibt aber noch sehr viele, die so wenig bzw. so selten verdienen, das sie nicht mal in der KSK sind. Alle Hartz4-Bezieher liegen den Steuerzahlern “auf der Tasche”, nicht nur Selbständige in Altersarmut, sondern vor allem auch Schauspieler und andere Künstler, die nicht von ihrer Arbeit leben können, und das sind viele. Sehr viele. Ich gehöre auch dazu. Soll ich meinen Freunden jetzt also sagen, ich finde es gut, das ihr jetzt 700,-€ im Monat abdrücken müsst, was wahrscheinlich eure Existenz zerstört, aber ihr liegt mir auf der Tasche. Ich finde keinen Ausdruck für diese Absurdität. Das ist vollkommen Realitätsfern, ich sehe überhaupt nicht, was du mir für mich daran als positiv verkaufen willst.

  3. lieber bffs bzw. sehr geehrter herr schafmeister,
    jetzt platzt mir aber auch der kragen bei solchen indirekten unterstellungen, man hätte sich mit der thematik nicht richtig auseinanergesetzt bzw. der annahme, jeder mensch sei böse und egoistisch und will den staat ausnutzen… und ich bin froh, dass ich als schauspieler nach wie vor nicht mitglied in dieser sogenannten schauspielergewerkschaft bin. da wird einem ja himmel angst um die 2000 mitglieder…
    um es zusammenzufassen: ihr steht auf der falschen seite. die bfa ist mittlerweile das rentenversicherungsauffangbecken für “alle anderen”. und man muss leider sagen: sie ist annähernd tot und alle ambitionen der regierung zielen darauf hinaus, ein krankes system, noch eine weile am leben zu halten und die kohle zu ziehen, wo sie glauben, dass es noch was zu holen gibt. ich gehe als mitte 30ig jähriger nicht davon aus, von dem laden irgendwann etwas zu bekommen, das was ich jetzt einzahle, und das ist nicht wenig, zahle ich für meine verrenteten eltern ein und muss privat vorsorgen, mindestens nochmal die gleiche summe, ja, das ist die realität meiner generation: weil ich im alter niemandem auf der tasche liegen will, zahle ich doppelt. bisher kann ich es mir dankenswerter weise leisten… zu unterstellen, irgendjemand würde darauf spekulieren, freiwillig im alter unter existensminimum leben wollen und dadurch gern arm ist und dieser ganze blödsinn, ist offen gesagt anmaßend und beleidigend von Euch. ich wiederhole mich: solange nicht jeder arzt, jeder architekt, jeder apotheker, jeder psychologe bzw. psychotherapeut und alle beamten, abgeordneten usw., also alle, die eigene hocheffiziente versorgungswerke haben, dieses bfa-system mittragen, wird es untergehen und nicht mehr haltbar sein. wie gesagt: das was ich jetzt einzahle, zahle ich für meine eltern ein. das ist der generationenvertrag, den irgendjemand mal für uns geschlossen hat. ich kann dani nur zustimmen, auch ich habe in meinem bekanntenkreis selbstständige, die durch das aufbringen dieser summe existentiell bedroht wären. wie auch oben schon beschrieben: wir sprechen von einer mindestsumme, die ein arbeitnehmer als seinen anteil aufbringt, der annähernd 4000 € brutto im monat verdient. von gerechtigkeit kann da keine rede sein. des weiteren sorgen viele selbstständige eben seit jahren schon selber vor und könnten diese doppelbelastung nicht ohne probleme verkraften: weil sie eben verantwortungsvoll fürs alter sparen und die wohnung, in der sie wohnen gekauft haben etc. eigengenutzte immobilienvorsorge negativ zu bewerten, wie geschehen, zeugt wirklich von wenig weitsicht und wenig kenntnis vom system. im übrigen: versilbern kann man gar nix, wenn es schief geht bzw. sollte man auf staatshilfe im alter angewiesen sein. alles geld muss nämlich erstmal aufgebraucht werden, alle immobilien aufgegessen, eh man da irgendwas bekommt. ich möchte den bffs wirklich bitten, auf der richtigen seite zu stehen: kämpft dafür, dass kein berufszweig mehr aus der bfa oder der gesetzlichen krankenversicherung rauskommt und wirklich solidarisch eingezahlt wird. (gkv ist im übrigen genau das gleiche problem: wenige sind gerne in der pkv aber: mindestsummen bfa/ gkv machen bei selbstständigen dann ca. 690 € aus) und bitte: sorgt dafür, dass wir schauspieler auf rechnung arbeiten dürfen und damit wirklich selbstständig, frei und ksk-fähig sein können. zumal sich, wie oben auch schon beschrieben, durch eine freiwillige arbeitslosenversicherung alle Eure probleme zu übergangszeiten gelöst hätten. wenn Ihr das macht und das Eure ziele werden, werde ich mitglied… viele grüße