Vorsicht Fernsehen! Qualität erfordert Mut zur Vielfalt, Zeit und Geld!

Berlin,  15.09.2009.  Der BFFS beobachtet mit großer Sorge, dass seit Jahren im fiktiven Bereich immer weniger Produktionen in Auftrag gegeben werden. Die weniger werdenden Produktionen müssen zusätzlich mit stetig sinkenden Budgets auskommen und in immer kürzeren Drehzeiten hergestellt werden. Verantwortlich hierfür sind vor allem die Fernsehsender, nachdem Deutschland anders als die USA nicht über eine eigenständige Kinoindustrie verfügt. Eine besondere Rolle hierbei spielen aufgrund ihrer Marktstellung die öffentlich-rechtlichen Sender. Sie vernachlässigen ihren kulturellen Auftrag, wenn sie den fiktionalen Bereich verkümmern lassen.

Verkümmerung ist auch ein Mangel an Vielfalt. Von den vielen Redakteuren entscheiden letztendlich nur einige wenige über Inhalt und Qualität von Produktionen und greifen all zu häufig auf den ewig gleichen Stamm von Autoren, Regisseuren und Hauptdarstellern zurück. Die öffentlich-rechtlichen Sender beauftragen meist nur ihre hundertprozentigen Tochterfirmen, die sich nicht gegen die ständigen Budgetkürzungen wehren können oder wollen. Bei diesem desaströsen Wettbewerb könnten die meisten freien Produktionsfirmen nicht mehr mithalten, selbst wenn man sie teilnehmen ließe. Das ist aber ohnehin kaum noch der Fall, da die Vergabepraxis der Beauftragungen nicht transparent und fair gestaltet wird. Die wenigen freien Produktionsfirmen produzieren, wenn sie doch einmal das Glück haben, einen Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender zu ergattern, häufig zum Selbstkostenpreis, also ohne Gewinn, um weiterhin präsent zu sein.

Dieses System der kreativen und wirtschaftlichen Verarmung (ver)führt zu Vetternwirtschaft. Glücklicherweise ist durch die Berichterstattung über den Skandal der unter Pseudonym geschriebenen Drehbücher für den NDR die Öffentlichkeit endlich hellhörig geworden.

Skandalös sind nämlich nicht nur dieser jetzt bekannt gewordene Machtmissbrauch und der damit verbundene Filz, skandalös sind immer häufiger auch die Produktionsbedingungen am Set, die sich von Jahr zu Jahr verschlechtern. Filmfirmen – Sendertöchter wie freie, aber von den Sendern abhängige Produktionen – sind mangels Budget gezwungen, die Gagen sämtlicher Filmschaffender immer mehr zu drücken. Das von den Sendern geforderte Drehpensum lässt sich in den ständig weniger werdenden Drehtagen nur abarbeiten, wenn gegen geltendes Tarifrecht, Arbeits- und Jugendarbeitsschutzgesetze in weiten Teilen verstoßen, wenn also unter illegalen Bedingungen produziert wird.

Dieser Druck am Set beeinträchtigt nicht nur die Gesundheit aller Teammitglieder, sondern auch die künstlerische Qualität insbesondere der Schauspielerleistungen und damit der gesamten Produktion.

Der BFFS wird gegen diese unheilvolle Entwicklung vorgehen. Wir Schauspieler fordern die Sender auf, entsprechend ihrer kulturellen Verantwortung wieder mehr in fiktionale Programme zu investieren, viel mehr Aufträge auch an freie Produktionen zu vergeben und ihnen und allen anderen Produzenten dabei mehr Budget und mehr Drehzeit zuzugestehen. Wir Schauspieler brauchen angemessene und qualitätswahrende Arbeitsbedingungen und wehren uns gegen zunehmendes Gagendumping.

Darum wird der BFFS die Allianz der Produzenten und die Verantwortlichen der Sender zu Gesprächen einladen.

Deutschland bietet eine reiche Vielfalt an fähigen, kreativen und phantasievollen Produzenten, Autoren, Regisseuren, Redakteuren, Schauspielern usw. Die Sender sollten wieder den Mut haben, sich dieser Vielfalt zu bedienen. Dann müssten wir Filmschaffende, Programmmacher und das von uns allen verehrte Publikum nicht um die Qualität unserer fiktionalen Sendungen fürchten.

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