Antwortschreiben an die Stifter des Deutschen Fernsehpreises

Ihr Brief vom 20. August 2010

Sehr geehrte Frau Piel, sehr geehrte Frau Schäferkordt,
sehr geehrter Herr Schächter, sehr geehrter Herr Bartl,

wir laden Sie ein mit uns gemeinsam die Neugestaltung der Verleihung des „Deutschen Fernsehpreises“ im Rahmen eines runden Tisches neu zu überdenken. Eine Diskussion mit den betroffenen Mitwirkenden der Filmbranche ist zur Abwendung weiteren Schadens am deutschen Fernsehpreis dringend erforderlich, und zwar aus vier Gründen.

I.

Ihre Absicht, alle Genres künftig gleich zu behandeln, führt in Wirklichkeit zu einer beispiellosen Abwertung der Fiktion, weil diese, kurzfristig betrachtet, niemals mit der Wirtschaftlichkeit von Infotainment und Reality-TV konkurrieren kann.

Der Sparzwang der letzten Jahre hat bereits zu einer dramatischen Verschlechterung der Produktionsbedingungen im fiktionalen Bereich geführt bis hin zu gesundheitsgefährdenden und illegalen Produktionsbedingungen. Die Budgetsbeschneidungen für die meisten auch erfolgreichen Formate, die Kostensteigerung für alles, was am Set benötigt wird, die Senkung der Pro-duktionsvolumina in den letzten Jahren und der dramatische Verfall der Gagen hat die Einkünfte der Filmschaffenden bis zu 50% einbrechen lassen.

Trotzdem entstehen immer noch erstklassige Filme, weil die Motivation der Filmschaffenden – auch unter widrigsten Bedingungen – immer der Wunsch ist, ein erstklassiges Produkt abzuliefern, dass die Zuschauer nachhaltig berührt, inspiriert und unterhält. Deshalb sind die durch den Fernsehpreis gestifteten Qualitätsmaßstäbe von so großer Bedeutung.

Für diese nun sind die Einzelleistungskategorien unabdingbar. Es ist gar nicht nötig, diese Einzelleistungen in allen fiktionalen Genres durch zu deklinieren. Die Aussicht darauf, vielleicht eines Tages in der Königsdisziplin selbst eine preiswürdige Leistung abzuliefern, ist für die meisten Filmschaffenden Trost und Ansporn genug. Fallen diese Kategorien aber weg, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr.

II.

Ihr Ziel, künftig den Zuschauer mehr zu beteiligen verfehlen Sie, denn Ihr Veränderungsansatz hat ausschließlich die Verbesserung der Quote im Blick. Aber die Quote sagt bestenfalls etwas darüber aus, in wie vielen Haushalten ein Programm läuft, nicht was das Gesehene beim Zuschauer auslöst.

Lesenswert:   Vorsicht Fernsehen! Qualität erfordert Mut zur Vielfalt, Zeit und Geld!

Nicht die Quote kann entscheiden, was Qualität ist, sondern Menschen, die sich ein Programm bewusst ansehen und sich fragen, worin die Qualität besteht, mit anderen Worten: die unabhängige Fachjury. Aber die alleinige Entscheidung, welche Produktion den Preis gewinnt, sagt noch nichts über die Einzelleistungen aus, die dahinter stehen. So können also keine Qualitätsmaßstäbe entstehen, die für die Filmschaffenden in irgendeiner Weise relevant sind.

III.

Ihr Anspruch die Verleihung selbst durch Straffung unterhaltsamer zu gestalten, kann die beab-sichtigten Veränderungen auch nicht rechtfertigen:

Die Oscar-Verleihung dauert Stunden, der Golden Globe ebenfalls, die Emmy-Verleihung, ursprünglich wohl mal Vorbild für den Deutschen Fernsehpreis, hat übrigens 101 Kategorien. Trotzdem wirken sie im Fernsehen glamourös und unterhaltsam aus dem einfachen Grund, weil nur die glamourösen und unterhaltsamen Momente im Fernsehen gezeigt werden.

Wenn aber die Verleihung einfach nur noch kurz sein soll und wichtiger wird, als der Preis selbst, dann ist sie sinnlos, und der Preis irrelevant.

IV.

Ihre Annahme, die Kreativen würden durch die Auszeichnung einer Produktion mit ausgezeichnet, ist falsch.

Kein Regisseur, kein Kameramann, kein Drehbuchautor, kein Schauspieler, auch kein Szene-bildner, Komponist, kein Editor und auch kein Tonmeister wird sich als Fernsehpreisträger verstehen, nur, weil er an der Entstehung eines Preisträgerfilms beteiligt war.

Mit freundlichen Grüßen,

der Vorstand des BFFS

Diesen Brief unterstützen folgende Verbände:

Die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände
darunter:

Der Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure – BVR
Der Bundesverband Kamera – BVK
Der Bundesverband der Fernsehkameraleute – bvfk
Der Bundesverband Filmschnitt Editor –BFS
Die Berufsvereinigung Filmton – bvft
Verband der Szenebildner, Filmarchitekten und Kostümbild-ner in Europa – SFK

außerdem:

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren – VDD
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – ver.di
Der Verband der Agenturen – vda
Der Verband Deutscher Schauspieler Agenturen

Rechtsschutz für BFFS-Mitglieder

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