Mitgliederversammlung im Zeichen der laufenden Tarifverhandlungen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

dieser Newsletter wird etwas umfangreicher, weil er den Kollegen, die nicht zur Mitgliederversammlung kommen konnten, ein möglichst umfassendes Bild von ihr vermitteln soll.

Am 11. Februar 2011 fand in Berlin die ordentliche Mitgliederversammlung des BFFS statt. Rund 250 BFFS-Mitglieder saßen im Cinestar der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg. Selbstverständlich standen auch die Präsentation der Jahresbilanz sowie die Entlastung des Vorstandes auf der Tagesordnung. Wie immer gab es lebhafte Diskussionen zu den einzelnen Tagesordnungspunkten, was von den Anwesenden als erkenntnisfördernd wahrgenommen wurde. Die Mitgliederversammlung sprach dem gesamten Vorstand sein Vertrauen aus und dankte für das große Engagement im vergangenen Jahr.
Rechtsberatung, Tätigkeit der beiden Justiziare

Gleich zu Anfang wurde die Arbeit unserer beiden Justiziare Brien Dorenz und Bernhard F. Störkmann gewürdigt, die praktisch rund um die Uhr für den BFFS zur Verfügung stehen. Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer wies darauf hin, dass zu ihren Tätigkeiten nicht nur die Rechtsberatung der Mitglieder gehöre, sondern auch die gesamte Organisation der Geschäftsstelle, beratende Funktion bei sämtlichen Themen des BFFS, Präsenz auf Stammtischen, bei Telefonkonferenzen, Verhandlungsterminen und Treffen mit Politikern und Senderverantwortlichen. „Der BFFS ist zu einer ziemlich großen Maschine geworden.“, sagte Meyer, „die ohne sie sozusagen keinen Treibstoff hätte.


Mitgliederhoch: Jeden Tag ein Neuzugang

Noch während der laufenden Mitgliederversammlung verkündete Heinrich Schafmeister, dass sich soeben das 1.700ste BFFS-Mitglied angemeldet hatte. Das bedeutet: Im abgelaufenen Jahr 2010 war statistisch gesehen jeden Tag ein neues Mitglied dazu gekommen, was einer Steigerungsrate zum Vorjahr um 20 % entspricht.
Wichtige Erfolge in 2010

Dies war nur eine der Erfolgsmeldungen, die der Vorstand verkünden konnte. So war es zum Beispiel gelungen, mit Prof. Jobst Plog einen erfahrenen und prominenten Beirat zu berufen. Der ehemalige ARD-Intendant begrüßte die Mitglieder und versicherte sie seiner ganzen Unterstützung: „Ihre Anliegen haben eine große Berechtigung. Sie wer-den Ihre Interessen nur in Solidarität durchsetzen. Mein Beitrag wird sein, die strategische Arbeit des Verbandes nach Kräften zu unterstützen.

Als wichtigsten Erfolg des vergangenen Jahres benannte der Vorstand die Aufnahme der Tarifverhandlungen mit der Produzentenallianz: „Wir – die Schauspieler – sitzen am Verhandlungstisch und nehmen nun erstmals Einfluss auf die Vergütung im Film- und Fernsehbereich“, so Heinrich Schafmeister. Weiterer Meilenstein war die Aktion „Ich bin preiswert“ als Reaktion auf die einschneidenden Veränderungen beim Deutschen Fernsehpreis. Michael Brandner, Vorsitzender Vorstand des BFFS, konnte den Mitgliedern über die neuesten Entwicklungen bei der Gründung der Fernsehakademie berichten, die aus dieser Diskussion entstanden war. „Wir haben gezeigt, dass wir konstruktiv sind und uns einsetzen für eine Verbesserung der Fernsehqualität. Die Sender nehmen unsere Initiative daher durchgehend positiv wahr .“

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Als dritter Erfolg wurde die Erstellung der ersten Studie über die Arbeitswelt von Schauspielern durch das BEMA Institut an der Universität Münster benannt (deren Ergebnisse Ihnen in einem gesonderten Newsletter noch einmal zugeschickt werden). Die Studie, maßgeblich initiiert und begleitet vom BFFS-Mitglied Christina Hecke, legt erstmals valide Zahlen zu den Verdienst- und Einkommensverhältnissen im Schauspielberuf vor.

Die BEMA-Studie zeigt deutlich, dass die Reform zum erleichterten Bezug von Arbeitslosengeld 1 für Schauspieler aufgrund der eingebauten Hürden nicht fruchtet“, so Christina Hecke. „Wir werden daher mit Nachdruck in diesem Jahr daran arbeiten, das Thema Arbeitslosengeld 1-Bezug vorzeitig wieder auf die politische Agenda zu bringen.

GVL-Umstellung

Dieses Thema bewegt uns alle, weil die laufende Umstellung des Verteilungssystems alle gleichermaßen betrifft und viele Fragen aufwirft. Noch einmal zur Erinnerung: Das bisherige, auf die Honorare bezogene System, wird durch ein nutzungsbezogenes ersetzt, damit es europaweit kompatibel ist. Das bedeutet, dass die Berechnungsgrundlage für die jährliche GVL-Ausschüttung die Ausstrahlung eines Werkes im Verteilungsjahr ist und somit zukünftig auch die Wiederholungen berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck hat die GVL eine Website eingerichtet (artsys.gvl.de), auf der jeder seine Mitwirkung bei seinen Produktionen und die Anzahl seiner Drehtage eintragen kann, um den Grad seiner Mitwirkung zu bestimmen.

Viele Fragen, die naturgemäß dazu auftauchen, werden unter der „FAQ“-Anwendung auf der artsys-Seite beantwortet. Zudem stehen hochmotivierte und nette Mitarbeiter der GVL unter einer eigens eingerichteten Hotline zur Verfügung. Aber Geduld: Der Prozess der Umstellung ist noch nicht abgeschlossen, an vielen Bereichen und Funktionen wird noch fieberhaft gearbeitet.

Vorstandsmitglied Thomas Schmuckert hatte noch eine gute Nachricht parat: In diesem Jahr wird es zwei GVL-Sonderausschüttungen geben, die auf eine Einigung mit den PC-Herstellern zurückzuführen sind. Zudem wird voraussichtlich ein Teil der zurückgestellten Gelder des letzten Jahres ausgezahlt, weil die Begehrlichkeiten der Musikindustrie weitgehend abgewehrt werden konnten.
Marketing Maßnahmen

Vorstandsmitglied Antoine Monot, Jr. berichtete von den laufenden Umbaumaßnahmen der BFFS-Homepage (siehe Newsletter zu diesem Thema: blog.bffs.de/2011/02/quo-vadis-bffs-homepage/). Aus den dort angegebenen Gründen sind es sehr umfangreiche Maßnahmen, die eine Weile dauern werden. So wird das Forum komplett aus der Homepage ausgegliedert und die Homepage selbst erhält sowohl ein neues Design, als auch eine neue Struktur. Außerdem kündigte er eine Idee zur Lichtung des Casting-Datenbank Dschungels an, ohne dass sich der BFFS selbst an einer solchen beteiligen muss.

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Um besser auf Eure Wünsche und Vorschläge eingehen zu können, wurde ein Blog zum Thema Homepage eingerichtet: blog.bffs.de/2011/02/quo-vadis-bffs-homepage/#comments
Stammtische, Aus- und Weiterbildung

Vorstandsmitglied Julia Beerhold berichtete über die Arbeit der Stammtischpaten. Diese sind: Christiane Filla und Martin May (Hamburg), Sven Rothkirch (Berlin), Antje Mairich, Florian Stiehler und Rolf Berg (Köln) und Julian Manuel, Markus Baumeister und Andreas Heinzel (München). Ab sofort werden diese Kollegen alle 6 Wochen an der wöchentlichen Telefonkonferenz des Vorstandes teilnehmen, um einen besseren Informationsfluss zu garantieren.

Weiterhin berichtete Julia Beerhold von dem geplanten Casting-Event auf der Berlinale 2012, das mit deutschen und internationalen Castern und in Kooperation mit dem Institut für Schauspiel, Film und Fernsehen (ISFF) und dem Verband österreichischer Fernseh-Schauspieler (VÖFS) stattfinden soll, von weiteren Casting-Events auf diversen deutschen Filmfestivals, sowie von der durch das Castingbüro „Die Besetzer“ initiierte Casting-DVD, an der sich sämtliche in Nordrhein-Westfalen lebenden BFFS-Mitglieder beteiligen können.

BFFS-Mitglied Elmira Rafizadeh präsentierte die Ergebnisse der großen Datenbank-Umfrage, die demnächst auf der BFFS-Seite veröffentlicht werden.
Kommunikation

Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer konnte auf den Erfolg der „Ich bin preiswert“-Aktion beim Deutschen Fernsehpreis verweisen, die durch drei offene Briefe des BFFS mit Unterstützung sämtlicher relevanter Kreativen-Verbände vorbereitet worden war und zu über 250 Pressereaktionen geführt haben. Dadurch waren die Sender gezwungen, zu reagieren, und unser Gesprächsangebot anzunehmen, das in der Folge zur Gründung der Deutschen Akademie für Fernsehen geführt hat.

Die Kommunikation mit den Mitgliedern, räumte Meyer ein, sei noch verbesserungswürdig. Die Beteiligung der Stammtischpaten an Vorstands-Konferenzen ist ein Schritt in diese Richtung.
Intensive Diskussion über die BFFS-Forderungen bei Tarifverhandlungen

Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung verständigten sich Vorstand und Mitglieder über die Inhalte für die anstehenden Tarifverhandlungen. Die von den Vorständen Heinrich Schafmeister und Thomas Schmuckert vorgestellten Verhandlungsziele und Forderungen wurden durch die Mitgliederversammlung mit großer Zustimmung unterstützt. Einerseits soll dem Gagendumping durch Einführung einer Anfängergage Einhalt geboten werden, andererseits wird eine angemessene Erlösbeteiligung der Leistungsschutzberechtigten und Urheber an den Auswertungserlösen gefordert. Im Gegenzug soll den besonderen Anforderungen an den Produktionsablauf mit Überlegungen zu neu zu entwickelnden Gagenmodellen Rechnung getragen werden. Insbesondere hat der BFFS diesbezüglich Gesprächsbereitschaft über das Thema Wochengagen signalisiert.

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Auch dieses Thema führte erwartungsgemäß zu kontroversen Diskussionen. Die Meinungsbildung zu diesem Thema hat ja gerade erst begonnen. Aufgrund des Zeitdrucks der Mitgliederversammlung (das Cinestar musste um 16 Uhr verlassen werden) konnte sie leider nicht in der Ausführlichkeit geführt werden, die dem Thema angemessen wäre. Weil dieses Thema aber als Dauerbrenner in 2011 sicher auch unsere interne Diskussion beherrschen wird, werden dazu auf regionaler Ebene zukünftig themenspezifische Stammtische organisieren, die sich ausschließlich mit den Tarifverhandlungen, unseren Forderungen und den angebotenen Gegenleistungen beschäftigen. Bitte nutzt dieses Forum, wenn Ihr im Kollegenkreis mitdiskutieren wollt. Ansonsten sind natürlich auch alle Ideen und Kommentare über die üblichen Mailwege (info@bffs.de) sehr erwünscht!

Als Diskussionsgrundlage hier noch einmal der Sachverhalt: Um von den Produzenten eine garantierte, vertretbare Anfängergage und die Aussicht auf Folgevergütungen zu bekommen, müssen wir ihnen auch etwas geben können. Die Alternative wären Arbeitskampfmaßnahmen, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Jeder kann sich selbst ausmalen, was das bedeuten würde. Unsere bisherigen Erfolge haben wir allerdings eher durch überraschende Aktionen und intelligente Verhandlungsführung erreicht und halten sie deswegen für das Mittel der Wahl. Deshalb wollten wir zunächst von den Produzenten wissen, wo bei ihnen der Schuh drückt.

Deren Hauptproblem, das wurde sofort klar, besteht weniger in den hohen Gagen der wenigen Großverdiener unter uns, als vielmehr in deren Verfügbarkeit, den vielen Sperrtagen, dem Set-Hopping, etc., was zu einer enormen Planungsunsicherheit und teilweise abstrus zerfaserten Drehplänen führt, die die Produktionen teurer und die Drehtage länger machen.

Deswegen haben wir Gesprächsbereitschaft über eine Wochengage als ein zusätzliches Gagenmodell signalisiert. Eine solche Wochengage ist für den Produzenten natürlich nur dann sinnvoll, wenn ein Schauspieler viele Drehtage hat. Wie genau eine solche Wochengage strukturiert sein könnte, wird Gegenstand der kommenden Verhandlungen sein. Je mehr Meinungsbilder wir aus unserer Mitgliederschaft dazu haben, desto fundierter kann unsere Verhandlungsführung sein.

Mit herzlichen Grüßen
der Vorstand des BFFS

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