Einen Gang höher schalten… Unser erstes Warnzeichen an die Produzentenallianz

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

gestern, am Donnerstag, den 14. Juli 2011, war es genau ein Jahr her, dass die Tarifverhandlungen zwischen BFFS und ver.di auf der einen und der Produzentenallianz auf der anderen Seite begonnen haben – ein historischer Schritt! Zum ersten Mal sitzen wir Schauspieler selber am Verhandlungstisch.

Aber was ist seitdem passiert?
Nicht genug. Wir haben noch immer keinen Tarifvertrag, die Gagen sinken weiter ins Bodenlose und unsere ausgestreckte Hand mit dem Angebot für Wochengagen wurde nicht angenommen.

Deshalb haben wir diesen Jahrestag für eine vorerst kleine, symbolische Warnaktion zum Anlass genommen und zu einer verlängerten „Mittags- und Besinnungspause“ aufgerufen. Anders gesagt: Wir haben zum ersten Mal unsere Milchzähnchen gezeigt! Wer weiß, was das noch geben kann, wenn erst die „Zweiten“ durchkommen…

An etwa einem Dutzend ausgesuchten Drehorten haben Kolleginnen und Kollegen ihre Mittagspause um 15 „Besinnungsminuten“ verlängert, um auf die kritische Tarifverhandlungssituation aufmerksam zu machen und an die Produzentenallianz zu appellieren, endlich eine faire tarifliche Untergrenze für Schauspielgagen anzubieten, das allgemeine Dumping zu stoppen und den wachsenden Kostendruck nicht vom Team ausbaden zu lassen.

Und genau wie bei unserer Aktion „Wir gehen Baden“ beim Filmfest München, wo wir bei tropischen 18°C fröhlich in den saukalten Stachusbrunnen gehüpft sind, war es auch gestern: Die „bekannten Gesichter“ machen sich für ihre KollegInnen und das Team stark.

Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die mitgemacht haben!

Von den ursprünglich geplanten 14 KollegInnen an 7 Drehorten (zahlensymbolisch für das Datum 14.07.) sind wir rasch abgekommen, weil so viele die Idee gut fanden und unbedingt mitmachen wollten.

Vom Brunnen haben wir unseren Protest nun also direkt an die Drehorte verlagert.

Wir sehen durchaus die schwierige wirtschaftliche Situation vieler, insbesondere mittelständischer Filmfirmen und haben von Anfang an die Produzentenallianz eingeladen, neben der üblichen Vergütung nach Drehtaganzahl alternative Honorierungssysteme zu gestalten, die den Produktionsfirmen mehr Planungs-sicherheit bieten könnten. Deshalb haben wir und ver.di angeboten, über geeignete Wochengagenmodelle zu reden.

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Die Produzentenallianz hat unsere ausgestreckte Hand jedoch bis heute nicht ergriffen und versucht jetzt, genau die „Hundegagen“, die wir verhindern wollen, mithilfe eines Tarifvertrages auch noch absegnen zu lassen.

Die Angebote der Produzentenallianz bewegen sich bei Gagenuntergrenzen von 400,00 € oder 500,00 €.

Wir hoffen, dass unser gestriges Signal der Entschlossenheit zum Umdenken führt und die Tarifverhandlungen im Sinne der ganzen Branche konstruktiv fortgesetzt werden können.

Stück für Stück – entspannt und charmant, aber mit immer kräftigerem Biss – werden unsere wachsenden Zähne zum Vorschein kommen, bis Pflege und Schutz endlich ernst genommen werden!

Für langfristige Änderungen der Rahmenbedingungen fordern wir daher:

  1. Wertschätzung von Qualität: Sie muss wieder mindestens so ernst genommen werden, wie die Quote.
  2. Keine Dumping-Finanzierung: Fiktionale Programme müssen mit einem Etat ausgestattet werden, mit dem sich Qualität produzieren lässt. Inklusive fairer Bezahlung derjenigen, die sie herstellen.
  3. Achtung bestehender Regeln: Arbeitsschutz-, Jugendarbeitsschutz- und Tarifvereinbarungen müssen eingehalten werden.
  4. Durchsetzung der Erlösbeteiligung: Die Filmkreativen müssen für die Schöpfung von Kultur wertgeschätzt werden und an der Verwertungskaskade teilnehmen, wie es das Urhebergesetz verlangt.

Mit vielen kollegialen Grüßen

der Vorstand des BFFS

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