Neustart nach Besinnungspause

Am 12. Oktober wurden in München die am 28. April festgefahrenen Tarifverhandlungen um eine Gagenuntergrenze für Film- und Fernsehschauspieler fortgesetzt. Der BFFS und viele engagierte Schauspieler haben die Zwischenzeit genutzt, mit den Aktionen „Wir gehen baden“ (25. Juni), „Verlängerte Mittags- und Besinnungspause“ (14. Juli), „Wir pfeifen auf dem letzten Loch“ (1. Oktober) und der Unterschriftensammlung „Fair p(l)ay“ (1. bis 11. Oktober) auf die wirtschaftlich und sozial angespannte Lage der Schauspieler hinzuweisen.

Laut der im Jahre 2010 von der Forschungsgruppe BEMA durchgeführten Studie verdienen 68 % aller Schauspieler weniger als 30.000 und immerhin 55 % weniger als 20.000 € Brutto im Jahr. Andere Messungen ergaben, dass in den letzten Jahren die Einkünfte der Film- und Fernsehschauspieler insgesamt um 50 % eingebrochen sind.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Sender geben immer weniger Filme, Reihen und Serien in Auftrag und jede dieser Produktionen muss mit weniger Budget, sprich mit weniger Drehtagen und Rollen auskommen. Schauspieler werden nach Anzahl ihrer Drehtage vergütet – nicht nach Arbeitsaufwand. Im Vergleich zu früher haben Schauspieler viel weniger Drehtage, die dafür aber mit erheblich höheren Pensen belastet werden. Trotzdem erhalten Schauspieler pro Drehtag nicht mehr, sondern immer weniger Gage.

BFFS und ver.di sehen die Hauptschuld für diese Misere nicht bei den Film- und Fernsehproduzenten, „die einfach den wirtschaftlichen Druck der auftraggebenden Sender weitergeben“, räumt Brien Dorenz, Rechtsanwalt und Verhandlungsführer des BFFS, ein: „Aber die Filmfirmen stehen mit uns gemeinsam in der Verantwortung, durch die Einführung einer fairen, tariflichen Untergrenze zumindest die gröbsten Auswüchse des Gagendumpings zu verhindern.“

Die Tarifpartner ver.di und BFFS verurteilen, dass Schauspieler teilweise schlechter bezahlt werden als Filmhunde (350 €), -katzen (400 €) und -kühe (450 €). Auch beanspruchen BFFS und ver.di für professionelle Schauspieler eine höhere Vergütung als für nicht ausgebildete Jugendliche. Das ZDF billigt den über 18 Jahre alten Jugendlichen zumindest eine Gage von 600 € zu.

Stattdessen bot die Produzentenallianz den Schauspielern bei der 3. Tarifrunde am 28. April eine Gagenuntergrenze von 400 € an, die sie kurz darauf auf 500 € erhöhte. „Das war wohl der Versuch“, beurteilt Brien Dorenz, „die unwürdigen, auf Tierniveau gedrückten Gagen tariflich absegnen zu lassen“. Sein Fazit: „Wir sahen uns von nun an gezwungen, auch mit Kampfmaßnahmen unsere Entschlossenheit zu zeigen.“

Die Tarifgespräche steckten in der Sackgasse und eine längere Verhandlungspause war die Folge, in der beide Seiten sich auf neue Wege besinnen konnten.

Der BFFS hat inzwischen begonnen, mit einer Kette unterschiedlicher Aktionen den Verhandlungsdruck zu erhöhen. Außerdem bemüht sich der BFFS um Transparenz und hat dafür die Emailadresse aufdenhundgekommen@bffs.de eingerichtet. Dort sammelt er alle kritischen Fälle, in denen gegen Gesetze, Verträge oder schlicht den Anstand verstoßen wird – insbesondere aber Beispiele für Gagen, die „auf den Hund gekommen“ sind. Eine entsprechende Dumpingliste wurde der Produzentenallianz erstmals zur Verfügung gestellt und zur Eröffnung der 4. Tarifrunde am 12. Oktober gemeinsam diskutiert. Als speziellen Gast hatte der BFFS Carla Rehm, Vorsitzende des Verbandes Deutscher Schauspieleragenturen, hinzugebeten, um auch den Erfahrungsschatz der Schauspielagenturen in die Gespräche einfließen zu lassen.

Die Produzentenallianz hatte zum Verhandlungstermin Fragen an ver.di und BFFS vorbereitet, mit dem Ziel, neue Kompromisslinien zu finden. „Beide Seiten konnten sich auch in dieser Runde noch nicht wirklich annähern“, meint Brien Dorenz, „aber die Produzentenallianz scheint nun gewillt zu sein, die Verhandlungen konstruktiver zu führen. Das bewerten wir als Neustart“.

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