Im fiktionalen Bereich gibt es keinen Spielraum für Einsparungen!

Im fiktionalen Bereich gibt es keinen Spielraum für Einsparungen!
BFFS reagiert auf Gebührendebatte und Sparsamkeitsforderungen

Berlin, den 23. Januar 2013

Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) schaltet
sich mit klaren Worten in die laufende Gebührendebatte ein und fordert ein
Ende des Sparwahns im fiktionalen Bereich.

Schauspieler Hans-Werner Meyer, Sprecher des BFFS-Vorstands,
kommentiert: „Wir sehen uns gezwungen, eines klar zu stellen: Ob und wo
bei den öffentlich-rechtlichen Sendern Einsparpotential besteht, können wir
nicht beurteilen, aber im fiktionalen Bereich ganz sicher nicht. Dort wird
bereits seit Langem gespart und das mit verheerenden Folgen. Es gibt
absolut keinen Spielraum mehr. Im Gegenteil, wenn nicht bald wieder
investiert wird, droht der deutschen Film- und Fernsehindustrie
internationale Konkurrenzunfähigkeit.“

Die Umstellung des Gebührensystems für die öffentlich-rechtlichen Sender
hat zu heftigen Abwehrreaktionen in der Wirtschaft, Teilen der Öffentlichkeit
und Politik geführt. Gleichzeitig wird immer wieder von Verschwendung bei
den öffentlich-rechtlichen Sendern und „Traumgehältern“ gesprochen.
Der BFFS, der mit rund 2.300 Mitgliedern den stärksten Berufsverband der
Filmbranche stellt, weist erneut darauf hin, dass die Budgets und Gagen
der Filmkreativen seit Jahren stagnieren oder sogar dramatisch sinken.

Durch das Spardiktat der öffentlich-rechtlichen Sender würden teilweise
gesetzliche Arbeitszeitregeln und Tarifverträge gebrochen, indem
Arbeitstage 16 Stunden dauern, und die gesetzlich vorgeschriebene
Nachtruhe von 11 Stunden ignoriert wird. Die Einkünfte der Schauspieler
sind nach Erkenntnis des BFFS in den letzten Jahren um bis zu 50%
gesunken.

„Geradezu schizophren erscheint in dem Zusammenhang, dass in
denselben Teilen der Öffentlichkeit, in denen jede Gebührenerhöhung wie
eine Beschneidung von Grundrechten bekämpft wird, die Qualität
eigenproduzierter Serien regelmäßig in realitätsverachtender Weise mit
jener der international erfolgreichsten Formate aus den USA verglichen
wird, in der eine Folge so viel kostet wie hierzulande eine ganze Staffel“,
verurteilt Hans-Werner Meyer die Spardiskussion.

Der Hinweis auf erfolgreiche Low-Budget-Produktionen wird vom BFFS
kritisch gesehen. Bisher habe noch jeder Versuch, zu beweisen, dass
fiktionale Programme auch kostengünstiger hergestellt werden können, nur
das Gegenteil belegt. Zwar sei dies möglich, aber nur unter Verzicht auf
Vielfalt, Production-Value, Qualität und Anzahl der Schauspieler, Qualität
der Ausstattung und des Inhalts der Geschichte.

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Hans-Werner Meyer mahnt daher zu mehr Verantwortung bei allen
meinungsbildenden Kräften in der Öffentlichkeit: „Wer der Meinung ist,
dass unsere Film- und Fernsehindustrie nicht nur für unser kulturelles
Selbstverständnis, sondern auch für die Kreativwirtschaft unverzichtbar ist,
der sollte bei jedem Sparaufruf an die öffentlich-rechtlichen Sender klar und
deutlich hinzufügen: Aber auf keinen Fall mehr im fiktionalen Bereich!“

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