Reformdruck zu niedrig? – 1,5 Milliarden mehr an Rundfunkgebühren; wo bleibt die Konsequenz?

Zunächst die gute Nachricht: Das Gebührenaufkommen steigt noch mehr als bisher bekannt. Insgesamt werden die öffentlich-rechtlichen Sender 1,5 Milliarden Euro mehr einnehmen als bisher. Endlich, jauchzt das Filmschaffenden-Herz, endlich wird das Jammern um zu knappe Budgets ein Ende haben! Endlich wird sich kein Senderverantwortlicher mehr hinter zu klammen Mitteln verstecken können! Endlich kann wieder mehr in Qualität und gesetzeskonforme und gesundheitsschonende Arbeitsbedingungen investiert werden!

Nun die niederschmetternd schlechte Nachricht: Nichts von alledem wird passieren. Die Sender werden das Geld nicht zur Verfügung haben. Stattdessen werden Rücklagen gebildet, vielleicht die Werbung ein bisschen reduziert und – oh Jubel! – die monatliche Rundfunkgebühr um den Gegenwert einer weiteren Vollkornsemmel gesenkt werden.

Als Filmschaffender fühlt man sich inzwischen wie das verlorene Kind im Wald, das ruft und ruft und ruft und erkennen muss, dass kein Mensch es hören wird. HAAAAAAALLOOOOOOOOO?! IST DA WER? ES GIBT REFORMBEDARF! UNSERE ARBEITSZEITEN SIND ZU LANG! WIR LIEFERN SEIT JAHREN FILME UND SERIEN, DIE UNTERFINANZIERT SIND! DIE BUDGETS STAGNIEREN, DIE KOSTEN STEIGEN! DER VERWALTUNGSAPPARAT VERSCHLINGT SO VIEL GELD, DASS FÜR DIE PRODUKTION NICHTS MEHR ÜBRIG IST!

All das ist seit Jahren bekannt. Seit Jahren hören wir, dass das wirklich bedauerlich, aber leider nicht zu ändern ist, weil eben zu wenig Geld da sei. Solange oben nicht mehr rein kommt, kann unten nicht mehr ausgegeben werden. Das war das Mantra der letzten Jahre. Und da wir alle die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrer zumindest theoretischen Möglichkeit, ohne Quotendruck Qualität zu produzieren, trotz all des Drucks, der durch die Unterfinanzierung entsteht, nicht gefährden wollten, haben wir Filmschaffenden uns immer wieder für sie eingesetzt und auch für die Gebühren, die sie finanzieren. Nun, endlich, ist das Geld da. Aber es darf nicht verwendet werden. Aus Angst wovor genau?

Wer entscheidet überhaupt über die Aufteilung der Mittel, die den öffentlich-rechtlichen Sendern zukommen? – Über den Finanzbedarf entscheidet die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs. Und die untersteht den Länderchefs. Es liegt also nicht im Ermessen der Sender, wofür sie das Geld ausgeben. Also ruft das Kind im Walde vielleicht in die falsche Richtung. Korrigieren wir also die Richtung:

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Liebe Länderchefs, das Filmschaffenden-Kind im Walde hätte gern Euer Ohr! Auch wenn unser Mund schon ganz fusselig ist, wir werden nicht müde, es zu wiederholen: Unsere Budgets sind zu niedrig! Da herrscht die Not! Wenn wir als Film- und Fernsehnation international wettbewerbsfähig sein und das Feld nicht Netflix und Amazon überlassen wollen, brauchen wir große, kraftvolle, mutige Schritte, nicht ein bisschen weniger Werbung hier und ein paar Cent niedrigere Gebühren da. Die Ausrede, es sei eben nicht genug Geld da, gilt nicht mehr, denn Geld ist jetzt da, und zwar jede Menge! Wie kann es da sein, dass die freien Sendermitarbeiter, unter ihnen die Filmschaffenden, unter zum Teil prekären und desaströsen Verhältnissen den Wert schaffen, von dem die Sender leben? Die Mehreinnahmen sind kein Wert an sich. Das Programm ist der Wert. Hört auf das Kind im Walde! Es mag klein sein, aber in ihm steckt die Zukunft!

Der Vorstand

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