Das Schlumpfinenprinzip

Bericht über die Vorstellung der Studie „Frauen in Kultur und Medien“

von Ekaterina Vassilevski

Eine „Herzensangelegenheit“ sei es für Staatsministerin Monika Grütters, die die aktuelle Studie zu „Frauen in Kultur und Medien“ beim Deutschen Kulturrat in Auftrag gegeben hat. Vergangenen Dienstag wurde diese von der Staatsministerin für Kultur und Medien und zwei der Autoren der Studie, Gabriele Schulz und Oliver Zimmermann, im Bundeskanzleramt vorgestellt. Schon in der großen Eingangshalle zeigt sich, dass auf den ersten Blick sogar das Haus des Auftraggebers Anlass zu einer solchen Studie bietet: Aneinandergereiht hängen die Porträts der bisherigen Bundeskanzler an der Wand, die, worauf die Staatsministerin in ihrer Begrüßungsrede hinwies, ironischerweise alle von männlichen Künstlern gemalt worden sind.

Knapp 500 Seiten ist die Studie lang geworden, in der Daten zur Verteilung von Frauen in künstlerischen und kulturellen Ausbildungen und Berufen der letzten 20 Jahre erfasst sind. Das Ergebnis bestätigt das vorherrschende Bild: Obwohl überwiegend Frauen in künstlerischen Studiengängen und Ausbildungen vertreten sind (71 %), dreht sich die Verteilung im Beruf und vor allem in leitenden Positionen um. Liegt der Frauenanteil im Studienbereich Darstellende Kunst/Film/Fernsehen laut Studie noch bei 64 %, sind es nur 22 %, die eine Leitungsposition am Theater innehaben. Auch bei der Lohnhöhe gibt es wie erwartet Unterschiede: Innerhalb der Darstellenden Kunst verdienen Frauen 33 % weniger als Männer. Dabei bleibt das Einstiegsgehalt von dem Gefälle nicht verschont, sodass schon bei den unter 30-jährigen der Unterschied bei 22 % liegt. Viel zu tun gäbe es auch bei den Rundfunkräten, der MDR bildet zurzeit mit 12 % Frauenanteil das Schlusslicht in Sachen Frauenquote.

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Olaf Zimmermann betonte, dass neben den personalpolitischen Entscheidungen, der Abbau der Geschlechterklischees eine der wichtigsten zukünftigen Aufgaben darstellt. Selbst heute noch herrscht das so genannte „Schlumpfinenprinzip“, wie Schriftstellerin Nina George das gängige mediale Frauenklischee in ihrem Impulsvortrag nannte: Als einzige hatte Schlumpfine weder einen Namen noch ein Talent in der Männer-WG zwischen Hefty, Schlaubi, Poeti und co., sie blieb eine Randfigur ohne Eigenschaften. Mit Gleichberechtigung wäre also vor allem künstlerische und kulturelle Vielfalt verbunden.

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Der Deutsche Kulturrat hat mit der Studie ein umfassendes Datenmaterial gesammelt, worauf vor allem Kultureinrichtungen zurückgreifen und womit sie arbeiten können. Staatsministerin Monika Grütters betonte, dass die Studie eine Grundlage für weitere Verhandlungen ist, unter anderem sei zu dem Thema demnächst ein Runder Tisch geplant. Daten zum Vorkommen sowie zur Vergütung von Schauspielerinnen kommen nicht in der Studie vor, darum kümmert sich gerade unser BFFS.

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