Vorstandsporträt Simone Wagner

Vorstandsporträt Simone Wagner

von Marian Meidel

© Bernd Hofmann
© Bernd Hofmann

Eine trefflichere Wahl für die Leiterin des Ressorts „Aus- und Weiterbildung“ könnte es kaum geben: Simone Wagner brennt dafür, neuen Kolleginnen und Kollegen den Weg auf Bühne und Leinwand zu ebnen – oder ihnen zumindest die größten Steine aus dem Weg zu wälzen. Die 41-Jährige ist ein wahrer Tausendsassa. Für den BFFS setzt sie sich nicht nur als Vorstandsmitglied ein, sondern auch als Redakteurin des Online-Magazins und Patin des Frankfurter Stammtischs. „Ich möchte etwas für die jüngere Schauspiel-Generation hinterlassen“, sagt sie. Und arbeitet hart dafür.

Die Begeisterung für ihr Fach zu vermitteln, das liegt Simone Wagner im Blut. Wie diese Begeisterung in ihr selbst einst entflammte,  daran erinnert sie sich noch genau. „Eigentlich war es meine Oma, die mich zur Schauspielerei gebracht hat“, sagt Wagner und lacht. „Als meine Geschwister und ich klein waren, war sie bei uns immer der Babysitter. Eines Abends habe ich mich heimlich ins Wohnzimmer geschlichen, wo sie im Ohrensessel saß und einen Western mit Charles Bronson geschaut hat.“ Gerade mal vier Jahre war Simone Wagner da alt – und ein derber Italo-Western? Schweres Geschütz für so ein junges Kind. „In diesem Film gab es eine Szene, in der jemand erhängt wird“, erinnert sie sich.  Aber Oma Wagner war mit sämtlichen verfügbaren Wassern gewaschen: Mit wenigen Worten gelang es ihr nicht nur, ihrer Enkelin die Angst zu nehmen, sondern zugleich die Begeisterung für die Schauspielerei in ihr zu wecken. Als die vierjährige Simone erfuhr, dass die Leute auf dem TV-Bildschirm nur verkleidet waren und spielten, war sie hin und weg. „Das war der zündende Moment.“ Danach gab es keine Familienfeier mehr, bei der das Kind nicht vor der gesamten Verwandtschaft  „in Ohnmacht gefallen“ wäre oder andere Mimen-Streiche getrieben hätte. In Simone Wagner ist damals  eine Leidenschaft entflammt.  Eine Leidenschaft, die noch heute brennt – und die sie mit Freude weitergibt. Perfekt für ihr Ressort.

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„Ein wichtiger Aspekt von ‚Aus- und Weiterbildung‘ ist, dass wir Schauspielschulen besuchen und dort mit den Studierenden sprechen“, erklärt Wagner. Dabei gehe es nicht ausschließlich darum, den BFFS und seine Arbeit vorzustellen. „Wir reden auch über die Frage: Was erwartet mich nach der Schule auf dem Arbeitsmarkt?“ Aus Erfahrung weiß Wagner, dass dafür zwei Aspekte ganz besonders wichtig sind. „In der digitalen Welt, in der wir leben, kommt es immer mehr auf Selbstvermarktung an. Aber auch die soziale Absicherung darf man auf keinen Fall vergessen.“ Als Vorstandsmitglied fördert sie den Austausch und organisiert Veranstaltungen, bei denen Schauspielerinnen und Schauspieler andere Kolleginnen und Kollegen an ihrer Expertise zu diesen Themen teilhaben lassen. Außerdem arbeitet sie eng mit der ZAV-Künstlervermittlung zusammen. Das Vernetzen, das kann Simone Wagner einfach.

Schon 2012 hat sie deshalb den BFFS-Stammtisch in Frankfurt aus der Taufe gehoben. „In den großen Medienstädten – München, Berlin, Köln, Hamburg – gab es die Stammtische schon, für die Mitte von Deutschland aber noch nicht.“ Ganz so einfach war es dann aber eigentlich doch nicht. Wagner kam nämlich gar nicht aus Frankfurt, sondern aus Aschaffenburg. „Ich bin a bayerisches Madl“, gesteht sie ein. Hört man ihr aber nicht an, weil Aschaffenburg direkt an der Grenze zu Hessen liegt. „Ich musste also erst einmal schauen, wo die ganzen BFFS-Mitglieder hier eigentlich wohnen – und das ging relativ weit runter in den Südwesten, wie sich herausstellte.“ Das sollte nicht die einzige Überraschung bleiben. „Es wurde schnell klar, dass die Frankfurter Schauspielerinnen und Schauspieler relativ ausgehungert sind“, so Wagner. „Weil Frankfurt eben keine Medienstadt wie Berlin ist.“ Es musste also ein Plan her. Zum Glück fand Wagner in ihrer neuen Stammtisch-Stadt gleich drei Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie genau einen solchen schmieden konnte. Zu viert kümmern sie sich darum, die frohe Kunde vom monatlichen BFFS-Stammtisch in den deutschen Mittelwesten zu tragen. Mit Newslettern, interessanten Themen und nicht minder interessanten Gästen.

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Es funktioniert. Der Stammtisch stößt auf großes Interesse. „Es sind jetzt vielleicht nicht so viele Mitglieder wie in Berlin, aber es sind ausreichend viele, um ein Netzwerk aufzubauen“, sagt Wagner. Dabei hinterfragt sie ständig, was ihren Kolleginnen und Kollegen gerade unter den Nägeln brennt. Wo es aktuell Gesprächs- oder Klärungsbedarf gibt. „Das fängt bei der Pensionskasse Rundfunk an, geht über die KSK bis hin zu Castings und der Frage: Wie soll mein Bewerbungsmaterial aussehen?“ Kurzum: Es geht um alle Themen, die irgendwie branchenrelevant sind. „Wenn wir bei unserem Stammtisch zum Beispiel etwas zum Thema Castings machen, laden wir einen Besetzer ein, der dann über seine Arbeit spricht und den Schauspielern ein paar Tipps gibt.“ Dadurch, dass der Frankfurter Stammtisch regional bedingt weniger Mitglieder hat als etwa der von Berlin oder München, gehe es dort oft ganz familiär zu, verrät Simone Wagner. Harmonisch. „Wir werden von den anderen oft ‚der Kuschel-Stammtisch‘ genannt“, sagt sie und lacht. In schwierigen Situationen rückt man eben zusammen. „Gerade in einer Region, in der man es als Schauspielerin oder Schauspieler vielleicht nicht immer leicht hat, herrscht ein großes Bedürfnis nach gegenseitiger Unterstützung und Austausch.“

Seit September 2016 ist Simone Wagner Mitglied des BFFS-Vorstands. Der größte Unterschied zu ihrer bisherigen Arbeit? „Es kostet mehr Zeit, es sind mehr Aufgaben und man hat eine viel größere Verantwortung.“ Aber großen Spaß mache es auch. Und den großen Erfahrungsschatz, den sie bisher durch ihre Arbeit mit dem Frankfurter Stammtisch gesammelt hat, kann sie bestens zum Einsatz bringen. „Früher haben mich ja nur hin und wieder mal Mitglieder aus Frankfurt angerufen, heute kümmere ich mich auch um Anfragen von Kolleginnen und Kollegen aus Berlin und überall her.“

Man merkt es ihr an: Für ihre Kolleginnen und Kollegen kämpft Simone Wagner wie eine Löwenmutter. Ob am Stammtisch oder als Leiterin des Ressorts „Aus- und Weiterbildung“ – sie hat stets ein offenes Ohr. „Jeder kann mich kontaktieren, wenn er Fragen zu branchenrelevanten Themen hat“, sagt sie und lacht.

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