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Bericht über unseren Stehempfang am 14.2.2017

Bericht über unseren Stehempfang am 14.2.2017 in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium

„Anything you can do I can do better!“

Keinen besseren Song als die witzige Mann-Frau-Battle aus dem Musical „Annie get your gun“ hätten Schauspielerin Jacqueline Macauley und ihr Mann, BFFS-Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer, für unseren Abend im Bundesfamilienministerium finden können. Mit Charme, Humor und Ukulele setzte ihre Gesangseinlage zu Beginn unseres Stehempfangs gleich den Ton für den Abend: Je ernster das Thema, desto dringender brauchen wir Humor!

Anlässlich der Berlinale hatte der BFFS in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium zu einem Stehempfang zum Thema „Faire Einkommensperspektiven von Frauen Männern – geschlechterspezifische Einkommenslücken im Bereich Schauspiel“ eingeladen.

Rund 200 Gäste – viele BFFS-Mitglieder, aber auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Film- und Fernsehbranche und der Politik – trafen sich in den Räumen des Ministeriums in der Glinkastraße zu Podiumsdiskussion und anschließendem Austausch.

Der BFFS hatte diese Veranstaltung ins Leben gerufen, um die im letzten Jahr erhobenen Zahlen zur Präsenz und Vergütung von Schauspielerinnen vor der Kamera in einem größeren Rahmen vorzustellen.

Das Familienministerium nutzte seinerseits die Gelegenheit, auf das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit aufmerksam zu machen, für das Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und ihr Team sich seit langem stark machen. Auch wenn das Gesetz nicht eins zu eins auf unsere Branche übertragbar ist, hilft es uns doch. Denn das offene Sprechen über Geld – und vor allem geschlechterspezifische Einkommenslücken – und die Suche nach Mechanismen, um diese Lücke zu verringern, bedeuten einen Paradigmenwechsel. Und dieser wird letztlich auch uns nützen, weil er das Bewusstsein dafür schafft, dass Gleichberechtigung wohl doch noch nicht erreicht ist, wenn die eine Hälfte der Bevölkerung eklatant weniger Einkommen erzielt als die andere.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Schauspielerin und BFFS-Mitglied Andrea Gerhard und der ebenso witzigen wie passenden Gesangseinlage durfte ich als Vorstandsmitglied und Verantwortliche für das Ressort „Gleichstellung“ die Keynote halten. Kernpunkte waren der Einkommensunterschied im Bereich Schauspiel, der durch die Zahlen der GVL erstmals unwiderlegbar bewiesen wurde, sowie die geringere Präsenz von Frauen auf dem Bildschirm.

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So lag in den Jahren 2000 bis 2009 der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied im Bereich Fernsehen bei durchschnittlich 22,7 Prozent. In den Jahren 2010 bis 1015 belegen die Zahlen der GVL, dass auf Schauspielerinnen maximal 40 Prozent der Drehtage entfallen. Ihre Bildschirmpräsenz ist deutlich niedriger als die der Männer und die Figuren unterliegen zudem stärkeren Stereotypisierungen.

Der BFFS fordert daher Sender und Förderanstalten auf, Zahlen zur Gesamtvergütung und die Aufteilung der Rollen auf Männer und Frauen durch ein regelmäßiges Monitoring zu erheben.

Dieses Anliegen wurde von Ministerin Schwesig in ihrer nachfolgenden Rede unterstützt:

„Gemeinsam mit dem Bundesverband Schauspiel wünsche ich mir von den Fernsehsendern und Filmproduktionen, dass sie sich für gleichberechtigte Vergütung von Schauspielerinnen und Schauspielern einsetzen und auf eine ausgewogene Präsenz von Frauen und Männern im Film und Fernsehen achten.“

Im anschließenden Podiumsgespräch mit der Ministerin und den beiden Schauspiel-Paaren Ann-Kathrin Kramer/Harald Krassnitzer und Jacqueline Macauley/Hans-Werner Meyer schilderten die Gäste konkrete Beispiele aus ihrem beruflichen Alltag. So berichtete Jacqueline Macauley von einer Kollegin am Theater, die nach einer Geschlechtsanpassung ins Männer-Ensemble wechseln durfte. Diese freundliche Geste der Theaterleitung wurde von einer saftigen Gagen-Erhöhung begleitet, da die Kollegin ja jetzt wie ein Mann vergütet wurde.

Harald Krassnitzer wies auf den Umstand hin, dass es Auswirkungen hat, die über das rein Ökonomische hinausgehen, wenn in einer Schauspiel-Beziehung mit Kindern, der- beziehungsweise eben meistens DIEjenige auf einen Job verzichten muss, die die niedrigere Gage bekommt. Krassnitzer wörtlich: „Das ist eben auch ein Schmerz.“

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion konnten sich die Gäste mit einem Glas Wein und Live Musik weiter austauschen. Anders als bei dem Thema „Gender“ oft üblich, waren die Hälfte der Gäste Männer. Das freut uns besonders, da dieser Umstand zeigt, dass im BFFS das Thema Gleichstellung von allen mitgetragen wird und kein „Frauenthema“ ist, sondern als das begriffen wird, was es immer schon war: Eine politische Frage – nämlich die nach der Gesellschaftsordnung, in der wir leben wollen.

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Die gute Stimmung und angenehme Atmosphäre der Veranstaltung trugen sicherlich auch dazu bei, dass das Bundesfamilienministerium gerne weiter mit dem BFFS zusammen arbeiten möchte – und wir umgekehrt auch!

Der BFFS dankt Ministerin Schwesig und ihrem Team für die gute Zusammenarbeit, und unseren Podiumsgästen Ann-Kathrin Kramer, Harald Krassnitzer, Jacqueline Macauley und Hans-Werner Meyer und unserer Kollegin Andrea Gerhard für ihr Engagement. Dank auch an unseren geschäftsführenden Justiziar und Anwalt Bernhard F. Störkmann und Rechtsanwältin Lina Zahn, die mich bei der Vorbereitung der Veranstaltung juristisch begleitet und unterstützt haben. Last but not least herzlichen Dank auch an unser Helferteam vom Berliner Stammtisch um Sven Rothkirch – so wie allen Gästen für ihr Interesse und zahlreiches Erscheinen!

Die breite Resonanz in der Presse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind:

Berliner Zeitung | 16.02.2017 und Frankfurter Rundschau | 16.02.2017
Die Welt | 15.02.2017
MDR | 15.02.2017
Neue Presse Coburg | 15.02.2017
SHEworks | 16.02.2017
Bremer Nachrichten | 15.02.2017

Hier sehen Sie den Mitschnitt der Veranstaltung:

Eine Kurzversion finden Sie hier.

Die Zahlen der GVL finden Sie in dem Artikel „Faktencheck – Frauen im Deutschen Fernsehen“.

 

Über Julia Beerhold

Julia Beerhold
Julia Beerhold wurde in Düsseldorf geboren mit dem Ziel, so schnell wie möglich etwas anderes zu sehen. Nach Aufenthalten in Malaysia, USA, Frankreich und Chile lebte sie etliche Jahre in Madrid und absolvierte dort auch ihr Schauspielstudium. Seitdem ist sie nicht weniger reiselustig, aber immerhin sesshaft in Köln. Nach Engagements an verschiedenen Bühnen und einer glanzvollen Karriere als Punkrockgitarristin bei den Bands KWIRL und G.C.Poma (Grrlism Causes Pimples On My Ass) tourte sie mehrere Jahre lang als Pianistin und Sängerin mit dem Serge-Gainsbourg-Abend „Ich liebe dich… ich auch nicht“.

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