Vorstandsporträt Bettina Zimmermann

von Marian Meidel

Bettina Zimmermann ist eine echte Kämpferin. Als Leiterin des Ressorts „Urheberrechtspolitik“ setzt die 41-Jährige sich mit Energie und Leidenschaft für die Rechte ihrer Kolleginnen und Kollegen ein. „Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin hartnäckig und gebe so schnell nicht auf“, sagt sie und lacht. Ihr Ziel ist klar: Faire Bedingungen im Schauspielberuf! „Wir  sind ein sehr soziales Völkchen und ein bunt gemischter Haufen“, sagt Zimmermann. „Aber wir fallen in vielen Dingen durchs Raster.“ Sei es beim Thema Arbeitslosengeld oder in der Sozialversicherung – Schauspielerinnen und Schauspieler hätten oft das Nachsehen. „Wir zahlen immer ein, wenn wir drehen, kommen aber dann wiederum schlecht an die nötige Unterstützung, wenn wir einmal keine Aufträge haben.“ Solcherlei Ungerechtigkeiten waren ihr schon immer ein Dorn im Auge. „Als der BFFS-Vorstand mich angesprochen hat, ob ich mir nicht vorstellen könne, meine Stimme dafür zu erheben, habe ich deshalb gar nicht erst lange gezögert. Natürlich ist man da dabei!“ Damals war sie bereits seit einigen Jahren Mitglied im BFFS. Und ohnehin immer engagiert. „Wenn man jetzt die Möglichkeit hat, durch den Vorstand wirklich etwas zu bewegen, ist das sehr wichtig.“

Bewegt hat Bettina Zimmermann tatsächlich schon einiges – und das, obwohl sie gerade erst seit Sommer 2016 zum Vorstand gehört. In ihrem Kerngebiet, der Urheberrechtspolitik, hat sie für die Schauspielergemeinde schon so manche Lanze gebrochen.  „Es kann nicht sein, dass Serien, die in den 90er Jahren gedreht wurden, immer noch laufen,  und diejenigen, die die Hauptrollen gespielt haben, teilweise von Hartz IV leben oder von Altersarmut bedroht sind“, sagt Zimmermann. „Das sind enorme Ungerechtigkeiten.“ Unermüdlich hat das gesamte BFFS-Team im vergangenen Jahr dafür gekämpft, dass Künstlerinnen und Künstler ihre urheberrechtlichen Ansprüche besser durchsetzen können. Natürlich war Bettina Zimmermann da ganz vorne mit dabei, hat das politische Gespräch gesucht und mit geistreichen Aktionen auf die Missstände aufmerksam gemacht. „Wir haben zum Beispiel Künstler zusammengebracht, die zum Thema Urheberrecht Briefe  persönliche Briefe an die einzelnen Koalitionspartner verfasst haben“, berichtet Zimmermann. Einer der zentralsten Aspekte der Debatte: Der Auskunftsanspruch. „Wir Schauspieler kommen hier immer auf untergeordneten Wertbeitrag“, sagte Bettina Zimmermann noch im November. „Und deshalb bekommen wir wiederum kein Auskunftsrecht.“ Kurz vor Weihnachten dann endlich ein Durchbruch: Ein neuer Gesetzbeschluss. Der Auskunftsanspruch gilt künftig auch für alle Schauspielerinnen und Schauspieler!  Ein großer Erfolg. Und ein lupenreiner Beweis dafür, dass Bettina Zimmermann mit ihrem Credo recht hat: „Nur zusammen schaffen wir es.“

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Doch nicht nur Courage und Durchsetzungsvermögen gehören zu ihren Stärken. In ihrem Tugend-Portfolio stecken auch große Empathie und Menschlichkeit. „Ich gehöre zu denen, die eher das persönliche Gespräch suchen, als Dinge über E-Mails zu regeln“, verrät Zimmermann. „Deswegen nehme ich auch immer besonders gerne die Termine wahr, in denen es um direkte Gespräche mit Politikern geht.“ Dann kann sie viel besser vermitteln, worum es in den ganzen Debatten um Zahlen und Gesetzesentwürfe in Wirklichkeit geht – nämlich ganz reale Menschen. „Man kann immer alles so schön in Paragrafen verpacken“, sagt sie. „Aber dahinter, sind wir Künstler, sind so viele einzelne Geschichten, sind reale Menschen.“ Oft mache sie die Erfahrung, dass ihre Gesprächspartner das erst realisieren, wenn sie ihr gegenübersitzen und von Angesicht zu Angesicht diskutieren. „Man muss ihnen Beispiele geben“, so Zimmermann. „Man muss ihnen wirklich sagen: Nein, jetzt mal weg von den Paragrafen und weg von den Gesetzen. So und so ist die Situation, und so und so geht es den Leuten.“ Bildlich darstellen müsse man es, das Menschliche hinter den anonymen Zahlen. „Das ist etwas, das in den Gesprächen, die ich geführt habe, immer gut ankam – und das die Leute zum Nachdenken angeregt hat.“ Oft merke sie Regelrecht, wie ein kleiner Ruck durch die Gesprächspartner geht.

Gekämpft hat Bettina Zimmermann schon immer. Das Sich-durchbeißen, das Nicht-locker-lassen ist schon ab Kapitel Eins Teil ihrer Schauspielerinnen-Biografie. „Mir ist es wie vielen von uns gegangen, die nicht geradlinig von der Schauspielschule ans Theater gehen konnten, sondern sich ihren eigenen Weg gesucht haben“, verrät Zimmermann. Lange, bevor sie zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschen Film- und Fernsehlandschaft wurde, musste Zimmermann gegen große Widerstände anlaufen. Nachdem sie zunächst in Hannover ihr Abitur gemacht hatte, ging sie nach München. „Zuerst in Hamburg mit Privatlehrern und dann u.a. von der Münchner Otto-Falckenberg-Schule gab es Lehrer, die bereit waren, mich privat zu unterrichten“, erzählt sie. Das Geld für eine reguläre Schauspielausbildung plus Miete hätte sie damals nämlich nicht gehabt. „Also habe ich immer erst drei Monate oder so gejobbt, bis ich mir den Unterricht wieder leisten konnte. Immer wenn ich Geld hatte, habe ich es zu meinen Schauspiellehrern getragen.“ Einige Jahre ging das so, eine echte Zerreißprobe. Aber Bettina Zimmermann hat es geschafft. Ihr Motor: die Passion für ihre Kunst.

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„Das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass mir die Schauspielerei wahnsinnig Spaß macht, dass da eine Leidenschaft in mir pocht, ja, dass es meine Seele beglückt, war bereits in der Grundschule“, verrät sie. „Wenn es z.B. um Weihnachtsaufführungen ging, war ich immer die erste, die sich gemeldet hat und mitmachen wollte. „Um die Aufmerksamkeit ging es ihr dabei nie, nur ums Spielen. „Eben das, was in einem ist und raus will.“, erklärt Zimmermann.

Dieselbe Passion ist es, dieselbe Energie, mit der sie sich als BFFS-Vorstand für die Rechte ihrer Kolleginnen und Kollegen engagiert. Und eines steht außer Frage: Egal, wie schwierig es manchmal vielleicht noch wird – aufgeben wird sie nie.

 

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