Vorstandsporträt Heinrich Schafmeister

von Marian Meidel

Es ist der unwahrscheinlichste Spagat, der Heinrich Schafmeister gelingt – leidenschaftlicher Künstler auf der einen Seite, rationaler Finanzexperte auf der anderen. „Ich bin der Schatzmeister, also für die ganzen Finanzen des Bundesverbands Schauspiel zuständig“, sagt er. Um all die Aufgaben aufzulisten, die er darüber hinaus erfüllt, muss er Luft holen. Es ist eine lange, sehr lange Liste, und Heinrich Schafmeister ein Mann mit vielen unterschiedlichen Expertisen. „Ich bin auch für das Ressort Sozialer Schutz zuständig, eines unserer Stammressorts“, verrät er. Sozialversicherung, Betriebliche Altersvorsorge, Künstlersozialkasse – alles Themen, in die er sich in der Vergangenheit derart hineingefuchst hat, dass er seine Schauspielkolleginnen und -kollegen auch vor dem verstecktesten Fallstrick warnen kann. „Dann kümmere ich mich noch um alles, was mit Tarifen und Tarifverhandlungen zusammenhängt“, sagt Schafmeister und offenbart damit noch eine weitere Facette von sich – Politiker ist er nämlich auch. „Wenn wir mit Produzentenvereinigungen oder Sendern verhandeln, verantworte ich das politisch im Vorstand“, erklärt er. Sein Wissen, seine genaue Kenntnis auf diesen unterschiedlichen und hochkomplexen Gebieten, setzt er zum Wohle seiner Zunft ein. Auch in der Geschäftsführung der „Deska Deutsche Schauspielkasse“, die er mit gegründet hat. „Um die Folgevergütung, die wir mit Sendern und Produzenten ausgehandelt haben, an die Schauspieler zu verteilen“, erklärt er. „Und weil es bis dahin keine geeignete Stelle dafür gab, haben wir eine eigene gegründet, die genau das macht.“ Die Initiative dazu ging von Schafmeister selbst aus. Mitgliedervertreter in der Pensionskasse Rundfunk ist er übrigens auch. Wie gesagt, die Liste ist lang. „Langsam geht mir die Luft aus“, sagt Heinrich Schafmeister nach der spektakulären Aufzählung und lacht.

Bei all diesen Fähigkeiten und Fachgebieten ist es kaum verwunderlich, dass der 60-Jährige täglich an vielen Stellen gefragt ist. „Von irgendeinem Beruf muss man leben, und das ist bei mir natürlich die Schauspielerei“, sagt Heinrich Schafmeister und lächelt. „Aber ich sag‘s mal so – die mache ich nebenher.“ Ein normaler Arbeitstag beginnt bei ihm um 6 Uhr morgens. „Um diese Uhrzeit sind noch keine Telefongespräche“, verrät er. „Wenn ich etwas schreibe oder ausarbeite, dann lässt sich das am besten um diese Zeit erledigen, weil ich da meine Ruhe habe und noch kein Publikumsverkehr ist.“  Für die Sorgen und Nöte seiner Kolleginnen und Kollegen hat Heinrich Schafmeister nämlich jederzeit ein offenes Uhr, und an manchen Tagen steht sein Telefon dementsprechend kaum still. „Ich bekomme oft Anrufe, da heißt es: Jemand hat sich nicht an die Tarifgage gehalten, oder die Arbeitszeiten sind nicht eingehalten worden, oder manche möchten wissen, wie das mit der Sozialversicherung läuft.“ Ein Löwenanteil des Politischen, sprich: Bereiche, in denen der BFFS versuche, Rahmenbedingungen zu setzen, finde eben in seinen Ressorts statt. „Da habe ich sehr viel zu telefonieren.“

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Was Heinrich Schafmeister in den frühen Morgenstunden schreibt? Texte für die BFFS-Website, um   die Mitglieder mit neuen Informationen zu versorgen, zum Beispiel. Aber vor allem Briefe, Konzepte, Verhandlungsverträge, Vertragsvorschläge. „Wir sind ja ständig in Verhandlungen, da muss man natürlich auch immer mal wieder etwas entwerfen. Das ist eben sehr, sehr viel Schriftliches.“ Wer sich nun jedoch vorstellt, Schafmeisters politisches Engagement spiele sich zur Gänze auf seinem Schreibtisch ab, der täuscht sich – und zwar gewaltig. „Gerade, wenn es um Themen wie Sozialschutz geht, ist auch viel Lobbyarbeit nötig“, erklärt er. „In der Verhandlungspolitik bespreche ich mich mit anderen Gewerkschaften und mit anderen Verbänden, mit denen wir kooperieren. Dadurch habe ich am Tag mit Sicherheit eine oder zwei Telefonkonferenzen.“ Intensive Gespräche, in denen Verhandlungen vorbereitet werden oder mitunter auch schon direkt geführt werden. Aber auch die laufen nicht ausschließlich telefonisch. Für vieles ist der direkte Kontakt notwendig, ist das Persönliche, das Unmittelbare gefragt. Das kann sich dann mitunter auch bis zum späten Abend hinziehen. „Neulich hatten wir ein Sondierungsgespräch, das dauerte fast bis 23 Uhr“, verrät Schafmeister mit einem Lächeln. „Darin ging es um Synchronverhandlungen.“

Dabei sind seine Verhandlungspartner im Grunde alle potenziellen Arbeitgeber von Schauspielerinnen und Schauspielern. „Wir sind in Verhandlungen mit ARD, mit Pro7-Sat1, mit RTL“, sagt er. „Im Bühnenbereich versuchen wir, in die Tarifverhandlungen reinzukommen. Dort läuft zur Zeit nämlich noch sehr vieles schief.“ Für die weltbedeutenden Bretter gebe es zwar schon Tarifverträge, allerdings nicht gerade zugunsten der Schauspielerinnen und Schauspieler. „Die Zustände sind unterirdisch“, so Schafmeister. Deshalb ist es für ihn keine Frage: „Wir müssen da rein. Wir müssen da mitverhandeln.“ Ansonsten würden die Interessen der Schauspielerinnen und Schauspieler am schlechtesten vertreten. Und einen besseren politischen Repräsentanten als Heinrich Schafmeister können sie sich nicht wünschen – für die Kolleginnen und Kollegen, die vor der Kamera stehen, hat er in der Vergangenheit bereits Pioniersarbeit geleistet.  „Im Fernsehbereich waren wir die ersten, die überhaupt einen Tarifvertrag für Schauspieler gemacht haben“, verrät er. „Das gab es vorher nicht.“  Ohne Schafmeisters Engagement gäbe es in diesem Bereich vermutlich auch heute noch keine klaren Vergütungsregeln.

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Alleine muss er seine intensiven Verhandlungen nicht führen. Dafür gibt es ein Team von Juristen, die ihm zur Seite stehen. „Die wissen genau, mit welchem Paragrafen man welches Ziel erreicht.“ Dafür müssen sie allerdings genau wissen, wie die gewünschten Resultate aussehen. „Und das müssen nun einmal Schauspieler sagen“, so Schafmeister. Zum Glück ist er beides, dieser unwahrscheinliche Hybrid aus Künstler und Politiker. Und zum Glück ist er beides aus Leidenschaft und mit einem großen Herz.

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