„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“

IVS und BFFS auf dem Weg zueinander

Bereits auf seiner Mitgliederversammlung am 12. März hat der InteressenVerband Synchronschauspieler (IVS) eine souveräne und – wenn sie zum Ziel führt – weitreichende Entscheidung getroffen. Mit großer Mehrheit und ohne Gegenstimme wurde der IVS-Vorstand beauftragt, mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) Gespräche zu führen, um einen Zusammenschluss der beiden maßgeblichen Schauspielverbände auszuloten.

Der IVS-Vorstand, Ilona Brokowski, Till Völger und Dominik Auer, mit den BFFS-Gästen, Bernhard Störkmann und Heinrich Schafmeister auf der IVS-Mitgliederversammlung am 12. März. © Kornelia Boje

Nun sind wir vom BFFS an der Reihe, auf unserer Mitgliederversammlung am 9. Juli in Berlin die Chancen sowie Risiken einer Verbands-„Hochzeit“ abzuwägen und zu überlegen, auf welche Aspekte wir bei diesen Gesprächen mit dem IVS besonders achten sollten.

Wie der BFFS ist der IVS im Jahr 2006 gegründet worden und beide schlossen damit eine schreiende Lücke. Zwar existierte Jahre zuvor innerhalb der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) eine Schauspielorganisation „Bühne, Film, Fernsehen“ (BFF). Aber im Jahr 2001 ging die DAG in ver.di auf und die BFF als eigenständige Schauspielvertretung unter. Jahrelang gab es besonders im Film- und Fernseh- und Synchronbereich keinen wirkungsmächtigen Berufsverband, der sich speziell um die Belange der Schauspielerinnen und Schauspieler kümmern wollte und ihre Rahmenbedingungen hätte gestalten können.

Der rasche Zulauf, den die beiden Neugründungen BFFS und IVS erfuhren, zeigte, wie arg die soziale und wirtschaftliche Schieflage inzwischen war und wie sehr die Schauspielerinnen und Schauspieler entschlossen waren, ihr Schicksal endlich mit eigenen Verbänden in die Hand zu nehmen.

Zunächst waren sowohl IVS als auch BFFS voll auf damit beschäftigt, die liegengebliebenen Probleme im Synchron- bzw. im Film- und Fernsehbereich anzupacken. Doch darüber hinaus entwickelte sich im Laufe der letzten 11 Jahre eine immer intensivere verbandsübergreifende Zusammenarbeit. Seien es nun sozial- und urheberpolitische Themen oder Verhandlungen mit Sendern oder Produzenten – IVS und BFFS unterstützen die gleichen Positionen, kämpfen mit der gleichen konstruktiven Mischung von Charme, Macht, Phantasie und Realitätssinn, treten immer öfter als eine „Partei“ auf und betreiben zunehmend Arbeitsteilung. Kein Wunder, schließlich haben die Mitglieder beider Verbände gleichlautende Probleme und gleichlautende Anliegen, weil sie den gleichen Schauspielberuf ausüben – nur in anderen Bereichen.

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Und daraus ergeben sich die Unterschiede zwischen BFFS und IVS. Während der IVS dabei geblieben ist, sich auf die zahlreichen, komplizierten Probleme der Synchronbranche zu konzentrieren, hat der BFFS, der ursprünglich vor allem die Film- und Fernsehlandschaft beackerte, inzwischen seinen Fokus auf alle Schauspielbereiche geöffnet: Bühne, Film/Fernsehen, Sprache. Erfreulicherweise sind in letzter Zeit gerade viele Kolleginnen und Kollegen vom Theater dem BFFS beigetreten. Unsere Abfragen unter den Mitgliedern haben ergeben, dass zurzeit ca. 40 % von ihnen ihren schauspielerischen Schwerpunkt im Bühnen-, ca. 50 % im Film/Fernseh- und ca. 10 % im Synchron-Bereich haben. Wenn ein Verschmelzen von IVS und BFFS ein Erfolg werden soll, müssen diese strukturellen Unterschiede berücksichtigt werden.

Darum sollte der BFFS einerseits Lehren aus den geglückten bzw. gescheiterten Zusammenschlüssen anderer Gewerkschaften ziehen und andererseits für Input und Rückenwind seiner Mitgliedschaft sorgen, bevor die Gespräche mit dem IVS beginnen.

Über die eigentliche „Hochzeit“ zwischen IVS und BFFS kann erst wiederum von deren Mitgliedern entscheiden werden, wenn beide Verbände erfolgreich ausgelotet haben, ob und unter welchen Bedingungen ein Zusammenschluss überhaupt funktionieren könnte.

Denn wenn soll diese BFFS-IVS-„Ehe“ glücklich werden und ewig halten.

 

Über Heinrich Schafmeister

Heinrich Schafmeister wurde 1957 im Ruhrgebiet geboren, wuchs dort auf und erhielt dort seine wesentliche Prägung. Der Beruf seines Vaters – hoher Richter der Sozialgerichtsbarkeit – wirkte auf den jungen Heinrich eher abschreckend und er nahm sich fest vor, später einmal etwas ganz, ganz anderes zu werden. Die Beatles weckten in ihm die Liebe zur Musik. Er lernte Klavier, Gitarre und gründete seine erste Band. Nach dem er sein Abitur mit mathematisch-naturwissen­schaft­lichem Schwerpunkt bestanden und seinen Zivildienst als Krankenpfleger geleistet hatte, konnte er sich endlich ganz seiner musikalischen Leidenschaft widmen. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler ist er Schatzmeister des Bundesverband Schauspiel.

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