Copyright kenming_wang

Keine Gage, dafür leckeres Catering!

Schauspiel-Engagements bei Hochschulfilmen

„Spannendes Filmprojekt sucht noch Schauspieler, keine Gage, dafür leckeres Catering.“ Solche Ausschreibungen sind keine Seltenheit und wohl schon jeder hat sie in seiner Schauspielkarriere gelesen. Wir zetern, sind verletzt, wissen nicht, wie wir unsere Rechnungen bezahlen sollen, nehmen den Job dann aber doch an, wenn das Drehbuch gefällt und uns die Rolle zusagt. Schließlich muss das Portfolio erweitert werden und das Showreel vorzeigbar sein. Irrglaube ist aber, diese Offerte komme nur bei unabhängigen Produktionen und Hobbyfilmern vor. Ebenso für Hochschulfilme war dies lange Zeit eine gängige Praxis. Und wir reden hier nicht von Erstlingswerken, sondern auch von Debüt- und Abschlussfilmen. Weit gefehlt, wer dachte, mit dem seit 2015 eingeführten Mindestlohngesetz sei dieser Handhabe ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Im Gegenteil, es wurde noch schlimmer. Der Begriff GAGE wurde in den Ausschreibungen einfach nur durch das Wort EHRENAMT ersetzt.

Habe die Ehre
Wie bekomme ich trotz gesetzlicher Vorgaben, professionelle, aber unbezahlte Schauspielerinnen und Schauspieler an mein Set? Irgendein „genialer“ Kopf kam blitzgescheit auf die Ausnahmeregelung, die das Gesetz zur Regelung des Mindestlohns vorsieht. Danach unterliegen ehrenamtliche Tätigkeiten nicht der Verpflichtung, sie mit dem Mindestlohn vergüten zu müssen. Bestenfalls gibt es dann für eine solche Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung und die stellt sich für Schauspielerinnen und Schauspieler vor Hochschulkameras meist als Fahrtkostenerstattung und vertrocknetes Käsebrötchen dar. Selbstverständlich bleibt uns die Hoffnung, Teil eines von einem aufstrebenden Star am Regisseur-Himmel mit High-End-Technik produzierten Werkes geworden zu sein. In den meisten Fällen aber bleibt der Oscar-Gewinn oder andere Ehren ein Traum.

 Traum und Realität
Und dennoch: Wir drehen immer mehr unentgeltlich und werden immer frustrierter. Denn wenn wir ein solches Engagement hinterfragen, erscheint das Warnsignal in roten Leuchtfarben vor unserem inneren Auge. Warum zum Teufel gibt es Budgets für teils überdimensionierte Technik sowie den renommierten Tonmeister und die dazugehörigen Special-Effects, aber nicht für unsere Kunst? Zumal es ja nicht ausschließlich die zehn Drehtage sind, an denen nichts verdient wird: Der Zeitaufwand zur Erstellung des E-Castings und der dazugehörigen Vorbereitungszeit einschließlich Textstudium ist ebenfalls unbezahlt. Im schlimmsten Falle hechelt man dem Film-Material Monate hinterher. Des Weiteren wurde schon vergeblich auf die Einladung zu freudig erwarteten Premieren gewartet, die dann ausblieb, da die vorhandenen Plätze an die örtliche Prominenz vergeben wurden.

Lesenswert:   Thema: Netzwerktreffen mit jungen Filmemacherinnen und Filmemachern

Schluss mit lustig
Der Bundesverband Schauspiel möchte diese gängige Praxis so nicht hinnehmen und ergreift im Namen unserer Mitglieder Initiative. Unterstützung hierfür wird uns vom Verband der Agenturen zuteil. Wir möchten nach wie vor die Arbeit werdender Regisseure unterstützen, denn diese Filme sind ein fester Bestandteil und von hoher Wichtigkeit für unsere Branche. Wir bringen hierbei Verständnis für etwaige finanzielle Engpässe auf, dennoch sollten die gedanklichen Ansätze bei der Budgetverteilung überprüft werden.

Gesagt, getan
Gemeinsam mit dem VDA haben wir sämtliche bundesdeutsche Filmhochschulen angeschrieben und die Missstände um die ehrenamtliche Tätigkeit kritisiert. Gleichzeitig haben wir ein Konzept vorgeschlagen, wie die Handhabe für die Zukunft von Hochschulfilmen gestaltet werden soll. Dabei greifen wir auch für bestimmte Budgetgrößen die Möglichkeit auf, Gagenanteil rückzustellen und damit die sofortige Zahlungsbelastung der Hochschulfilmproduzenten zu verringern.

Fazit
Die betreffenden Hochschulen reagieren noch verhalten. Vor allem aber informieren sie aus unserer Sicht die jungen angehenden Regisseure nicht in befriedigender Weise. Wir wollen daher zu diesem Thema anlässlich der Hofer Filmtage ein Gesprächspanel veranstalten.

Da solche Projekte hauptsächlich auf eine Finanzierung durch öffentliche Mittel angewiesen sind, ist auch die Politik gefragt, die Rahmenbedingung und damit auch die Finanzierbarkeit von Hochschulfilmproduktionen entscheidend zu verbessern und zu gestalten.

Facebook Kommentare (0)

Wordpress Kommentare (5)

5 Antworten zu “Keine Gage, dafür leckeres Catering!”

  1. Liebe Simone,
    Du sprichst mir aus der Seele. In den 40 Jahren meiner schauspielerischen Tätigkeit hat sich dieser einst wunderschöne Beruf zu einem „Hobby“ degradieren lassen, von dem nur noch ganz Wenige wirklich leben können, ohne Nebenjobs auszuführen. Aber primär liegt es daran, dass sich immer jemand findet, der auch unter miesesten Bedingungen zustimmt.
    Danke für Deine/Euer Engagement für unseren Berufsstand.
    Herzlichst
    Christoph Schobesberger

  2. Liebe BffS,

    Habe ich da „Rückstellungsverträge bei Hochschulfilmen“ gelesen? Rückstellungsverträge sind doch genauso ein großes Problem. Man bekommt nie wieder etwas zurück, obwohl die Filme bei den Sendern hoch und runter laufen.
    Ich habe einige Rückstellungsverträge in den Jahren gesammelt und habe nie wieder etwas danach gehört oder gesehen… Ich meine die versprochen Gage… Bla Bla…
    Das ist doch seit längerem gängige Praxis… Hochschulen zahlen meistens nur die Fahrtkosten und organisieren eine Übernachtung, zahlen sonst nichts. Rückstellungsverträge bedeuten nichts anderes als… „Arbeite bitte umsonst für mich, ich zahle dir die Gage wenn ich es verkaufe und Gewinn mache“ Als ich selbst mal ein Projekt kalkuliert habe fiel mir auf, dass alle anderen Gewerke eine Art Aufwandsentschädigung wollten, so dass am Ende für die Schauspieler nichts übrig blieb… als Catering. Das hat mich traurig gemacht, da ich selbst Schauspielerin bin und auf meine Aufwandsentschädigung komplett verzichten musste. Ich lehne die meisten Hochschulfilme mittlerweile ab, was sehr Schade ist für den Nachwuchs und meine Rückstellungsverträge kann ich mir an die Wand nageln, sonst nichts. Es ist kein guter Ansatz und ergibt keine Lösung des Problems, eher eine Verschiebung auf die lange Bank. Auf die Bank kann man sich setzen und auf das Geld warten.

    Alle müssen (gleich) bezahlt werden… Auch Schauspieler !!!

    Über eine Rückantwort würde ich mich freuen

    Mit freundlichen Grüßen

    Meral Perin

  3. Liebe Frau Wagner,

    vielen Dank für diesen gelungenen Bericht. Sie bringen die Sache auf den Punkt. Letzten Endes betätigen sich Schauspieler (vor allem die Erfahrenern) seit Jahren als Quasi-Dozenten für die Hochschulen. Und sind wir mal ehrlich, wer von den angehenden Regisseuren denkt bei seinem ersten bezahlten Auftrag dann noch an die Schauspieler, die ihm mal in den Sattel geholfen haben – die Wenigsten bis Keiner.
    Das Thema „Szenenausschnitte“ ist noch was anderes. Ich für meinen Teil „warte“ seit 1995 auf eine Szene aus einem Zweitjahr-Film der Filmhochschule Ludwigsburg. Mit solchen Erlebnissen war und bin ich natürlich nicht der Einzige. Aber, ich hatte damals – zwei Jahre danach – auch mal die Schule selbst angesprochen, ob sie dem Studenten mal Beine machen könne, da war er noch an der Schule. Das war ärgerlich, die Schulleitung hat es nicht die Bohne interessiert.
    Der Gipfel der von Ihnen beschrieben Situation sind die Aufrufe von Film-Studenten, die für ein Unternehmen einen Werbespot oder Imagefilm drehen und dafür trocken Käsesemmeln bieten. Gerade neulich mal wieder ein solches Angebot auf Crew United gesehen.
    Es heißt ja so schön „was nix kostet ist nix wert“. Ich denke manchmal trifft das stark auf uns Schauspieler zu – die Art und Weise wie mit ihnen seitens der Filmstudenten umgegangen wird. Dana Cebulla hat sich vor einigen Wochen – zu Recht – auf FB aufgeregt, weil man von ihr, nach bereits erfolgter Zusage, plötzlich ein Handyfilmchen wollte, wo sie „Mimiken“ zeigen soll, damit man sehen könne, ob sie spielen kann.
    Abgesehen vom monetären Problem, die hochbezahlten Damen und Herren aus der Dozentenriege der Schulen sollten dringend einen Benimmkurs für die Studenten einführen.
    Ich für meinen Teil habe vor Jahren eine Entscheidung getroffen: Ich spiele einfach nicht mir in Studentenprojekten mit. Die werden von mir höflich abgelehnt. Das zwischenzeitlich ein Buch oder Rolle dabei war, das/die mich überzeugte, meine Meinung zu ändern, ist bisher einmal vorgekommen. Da kannte ich den Regisseur aber schon.

    Viele herzliche Grüße

  4. Ein Gespräch?! Das sind staatliche Hochschulen. Warum müssen sie sich nicht am Regeln halten? Das muss geregelt werden. Es ist geduldete Ausbeutung. Unfassbar. Tut was Relevantes!

Schreibe einen Kommentar