Tun, was in unserer Macht steht!

Jasna Fritzi Bauers Appell zur Volksbühne Berlin

„Das ist ein bisschen emotional und lang geworden. Korrigieren muss man es auch nochmal.“ Mit dieser entschuldigenden Einleitung hat uns unsere junge Kollegin, Jasna Fritzi Bauer, die den momentanen Wechsel an der Volksbühne Berlin hautnah miterlebt, ihren Appell für eine Petition zugeschickt, die ihr persönlich am Herzen liegt und vielen anderen wohl auch. Die Petition ist von der Theaterwissenschaftlerin, Evelyn Annuss, initiiert und bittet um kräftige Unterstützung unter …

Zukunft der Volksbühne neu verhandeln

Worum geht’s? Die Volksbühne Berlin soll – wie es unter anderem auch vom Regierenden Bürgermeister versprochen wurde – als Ensembletheater im Repertoirebetrieb mit eigenen Produktionen fortgeführt werden!

Und weil wir etwas älteren Kolleginnen und Kollegen das von unserer jungen Kollegin, Jasna Fritzi Bauer, beschriebene Schicksal schon mehrfach auf dem Buckel haben, veröffentlichen wir ihren Appell ganz bewusst ungekürzt, ohne Korrektur ihrer Emotionen …

Es ist sehr schwierig für mich, in Worte zu fassen, wieso ich persönlich unter dem Ende der Castorf-Ära an der Volksbühne leide oder ob „leiden“ das richtige Wort ist.

Ich habe mich – nachdem dieser Wechsel, welcher von dem damaligen SPD-Kulturstaatssekretär, Tim Renner, sozusagen in einem merkwürdigen fat „Alleingang“ entschieden wurde – als Schauspielerin an dieser Volksbühne arbeitend immer bemüht, mich enthaltsam und nicht negativ wertend zu verhalten. Was in diesem letzten Jahr dort alles geschehen ist, wie ein Haus zerworfen wurde, eine über 20 Jahre entstandene Familie dazu getrieben wurde, sich zu zerreißen, ist nicht wirklich zu beschreiben. Schön war es jedenfalls nicht. Trotzdem: „Intendantenwechsel gehören zu unserem Alltag“, dachte ich mir, um mich nicht sofort verschließen und dem Ganzen eine Chance geben zu wollen, Die Dinge waren ja so oder so nicht zu ändern. Beschlossen ist beschlossen.

In den letzten 14 Tagen der Spielzeit habe ich mir sehr viele Vorstellungen noch ein letztes Mal angeschaut. Und ich wurde wütend. Ich dachte: „Dieses Theater – was hier geschieht, das hat uns den Weg geebnet, wie Theater im deutschsprachigen Raum jetzt stattfinden kann. Hier wurde Geschichte geschrieben. Es gab gute Zeiten und schlechte Zeiten. Jetzt gerade sind es gute Zeiten: Ausverkauftes Haus. Einladungen zum Theatertreffen und das seit mehreren Spielzeiten. Also: Völlig grundlos wird ein Abgang beschlossen – über alle Köpfe hinweg.

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Zu diesem Zeitpunkt war der Spielplan der neuen Volksbühne schon veröffentlicht. Wenig inspirierend und nicht annähernd so initiativ und weltmännisch, wie man es angekündigt hatte. Und in diesem Moment habe ich persönlich angefangen, mich zu wundern, meine Wut zuzulassen. Ich habe an keinem anderen Haus so viel Forderung und Förderung erfahren, so viel Gemeinschaft, so viel Sinn für unseren Schauspielberuf. Das mag jeder anders sehen. Ich sehe es so. Und ich war plötzlich maßlos traurig über diese Zerstörung unserer, meiner Heimat. Viele Fragen stelle ich mir. Bis heute. Wenig Antworten wurden und werden uns gegeben.

Der im Senat beschlossene Haushaltsplan mit seinen Bedingungen wird konsequent nicht erfüllt. Es wird erstmal kein Ensemble geben. Das Haus Volksbühne hat mehr Schließ- als Spieltage. Im Fokus steht der neue Standort Tempelhof. Viele Gastspiele, wenig Eigenes, vieles, was in Berlin eigentlich an kleineren Bühnen wie dem HAU präsent ist. Man mag darüber denken, wie man möchte, aber ich habe beschlossen, wenigstens für die Einhaltung der vom Senat beschlossenen Bedingungen zu kämpfen.

Evelyn Annuss, Theaterwissenschaftlerin, hat eine Petition ins Leben gerufen, die inzwischen über 35.000 Unterzeichner hat. Prominente Unterstützer sowie Zuschauer, die für die Volksbühne kämpfen. Je mehr Unterschriften diese Petition bekommt, desto eher haben wir eine Chance, dass wenigstens noch einmal klar über die Zukunft der Volksbühne Berlin gesprochen und verhandelt wird. Darum habe ich über change.org mit meinem Namen zum Unterzeichnen aufgerufen.

Jeder mag das halten und sehen wie er oder sie es mag, keiner wird gezwungen. Aber mir liegt dieses Haus am Herzen und deshalb versuche ich, was in meiner Macht steht zu tun.

… soweit unsere Kollegin, Jasna Fritzi Bauer.

Und das in unserer Macht Stehende sollten wir tun! Weil wir, der Bundesverband Schauspiel, die Gemeinschaft der Schauspielerinnen und Schauspieler sind!

Über Jasna Fritzi Bauer

Über Heinrich Schafmeister

Heinrich Schafmeister wurde 1957 im Ruhrgebiet geboren, wuchs dort auf und erhielt dort seine wesentliche Prägung. Der Beruf seines Vaters – hoher Richter der Sozialgerichtsbarkeit – wirkte auf den jungen Heinrich eher abschreckend und er nahm sich fest vor, später einmal etwas ganz, ganz anderes zu werden. Die Beatles weckten in ihm die Liebe zur Musik. Er lernte Klavier, Gitarre und gründete seine erste Band. Nach dem er sein Abitur mit mathematisch-naturwissen­schaft­lichem Schwerpunkt bestanden und seinen Zivildienst als Krankenpfleger geleistet hatte, konnte er sich endlich ganz seiner musikalischen Leidenschaft widmen. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler ist er Schatzmeister des Bundesverband Schauspiel.

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