Anlässlich der Bundestagswahl fragen wir …

10 × Was will Ihre Partei tun – auch für uns?

„Für Euch Schauspielleute können wir leider keine speziellen Gesetze machen. Ihr seid einfach zu wenige.“ So klingen oft Politiker, wenn sie ehrlich sind und daran verzweifeln, den Wirrwarr unseres administrativen Alltags nachzuvollziehen.

Trotzdem: Anlässlich der kommenden Bundestagswahl haben unsere beiden Schauspielverbände, BFFS und IVS, unsere politischen Konfliktfelder skizziert, dazu 10 Fragen entwickelt und die wettstreitenden Parteien gebeten, sie zu beantworten:

In der Tat: Wir sind in Deutschland bloß ca. 15.000 Schauspielerinnen und Schauspieler und damit eine viel zu kleine Schar, um eine nur auf uns zugeschnittene Gesetzgebung erwarten zu dürfen. Politiker machen Gesetze – wie sie immer wieder betonen – für „den kleinen Mann“, für „Otto Normalverbraucher“, „Frau Mustermann“ und den „Durchschnittsbürger“. Also für eine imaginäre Mehrheit, die sich wohl in der Norm bewegt.

Und da kommen wir nicht vor. Denn mit unserem Schauspielberuf fallen wir ständig aus der Norm: Wir sind Angestellte, aber immer nur befristet, bei unterschiedlichen Arbeitgebern mit unterschiedlicher Entlohnung. Wir arbeiten zu ständig wechselnden Tageszeiten an ständig wechselnden Orten. Und zwischendurch sind wir immer wieder erwerbslos und müssen uns um neue Engagements oder Nebenjobs kümmern. Und das alles, obwohl wir nicht zu den Klischeeopfern, den Ungelernten gehören, sondern unseren Schauspielberuf vier Jahre lang richtig studiert haben.

Aber was ist heute schon die Norm? Stimmt das Bild noch, das sich die Politik vom Wahlvolk macht? Welcher „Bürger“ lebt noch „durchschnittlich“? Welche „Frau“ wie „Mustermann“? Welcher „Normalverbraucher“ heißt „Otto“? Und welcher „Mann“ ist „klein“? … OK, das soll’s geben … Wächst nicht von Jahr zu Jahr die Zahl der atypisch Arbeitenden? Deren Anstellungen befristet sind? Bei unterschiedlichen Arbeitgebern? Mit unterschiedlichen Entlohnungen? Die wechselnde Einsatzorte und -zeiten in Kauf nehmen müssen? Die zwischendurch keine Arbeit haben und immer auf Jobsuche sind? Und sind unter ihnen nicht zahlreiche akademische, fachlich hoch spezialisierte, sogar wissenschaftliche Kräfte?

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So gesehen sind wir mit unserem Schauspielberuf geradezu Prototypen für die Masse der Atypischen! In der neuen flexiblen Normalität sind wir die Musterfrauen und -männer, an denen die Politik mustergültig die Webfehler einer verstaubten Gesetzgebung studieren und beheben kann.

Also: Wer künftig Mehrheiten ansprechen und Wahlen gewinnen will, wäre gut beraten, sich auch auf uns Schauspielerinnen und Schauspieler und unsere Lage einzulassen. Nun sind wir gespannt, was uns die Parteien zu sagen haben …

 

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