12-statt-13-Aktion von ver.di und BFFS im Jahr 2014, © ver.di

Neue Tarifeinigung für die Film- und Fernsehbranche

BFFS-PRESSEMITTEILUNG

Höchstarbeitszeit wird auf zwölf Stunden pro Tag begrenzt, die Gage für Berufseinsteiger um fast zehn Prozent erhöht und Schauspielerinnen werden gleichgestellt.

Berlin, 1. Juni 2018 – Nach vier Verhandlungsrunden haben sich der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) und ver.di mit der Produzentenallianz am 29. Mai in Berlin auf umfangreiche Tarifänderungen für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende geeinigt. Die Vereinbarung gilt bis Ende 2020 und beinhaltet einen Mantel-, Gagen-, Schauspiel- und Kleindarsteller-Tarifvertrag sowie einen zusätzlichen Tarifvertrag zur Regelung von Gagenhöhen in Hochschul-Abschlussfilmen.

Nach jahrelangen Bemühungen haben die Gewerkschaften ihre Hauptforderung „12 statt 13“ durchsetzen können: Der Manteltarifvertrag reduziert die bisherige Tages-Höchstarbeitszeit von bisher 13 auf nun zwölf Stunden. Das gilt für alle Film- und Fernsehschaffende bei Kino- und Fernsehfilmproduktionen. Dabei zählt für Schauspielerinnen und Schauspieler ab sofort auch die ganze Masken- und Garderobenzeit ebenfalls zur Arbeitszeit. Insbesondere Berufseinsteiger unter ihnen profitieren von der Einigung der Gewerkschaften mit den Arbeitgebern: Gemäß Schauspieltarifvertrag wird ihre Einstiegsgage bis zum Jahr 2020 in drei Stufen von derzeit 775 auf 850 Euro erhöht. Neu ist auch ein Passus in der Vergütungspräambel. Danach soll bei den individuellen Verhandlungen darauf geachtet werden, dass bei gleichwertigen Rollen nicht aufgrund des Geschlechts schlechtere Gagen bezahlt werden. Für Hochschul-Abschlussfilme oder Debutfilme von Regie-Hochschulabsolventen wird ein zusätzlicher Tarifvertrag geschlossen, der je nach Budgetsumme gestufte niedrigere Tarifgagen-Sätze vorsieht. Ziel ist es, dass diese Filme künftig mehr von tarifgebundenen Produktionsunternehmen und damit unter besseren Bedingungen als bisher hergestellt werden.

„Wegfall der 13. Stunde, Erhöhung der Einstiegsgagen um insgesamt 9,6 Prozent, ein neuer Tarifvertrag zum Abbau der undurchsichtigen und selbstausbeuterischen Verhältnisse bei Hochschul-Abschlussfilmen, und, und, und … Verglichen mit anderen Tarifeinigungen ist diesmal den Gewerkschaften ver.di und BFFS ein ganz besonderer Durchbruch und herausragend großer Schritt nach vorne gelungen“, freut sich Heinrich Schafmeister, BFFS-Vorstandsmitglied. Sein Verband begrüßt die neue Klarstellung im Tarifvertrag, dass ein Produktionsunternehmen ohne Tarifbindung die im Vergleich zu den gesetzlichen Bestimmungen längere tarifliche Tages-Höchstarbeitszeit nur in Anspruch nehmen darf, wenn es auch alle tariflichen Gagenregelungen akzeptiert.

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Über den Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS):

BFFS steht für Bühne, Film, Fernsehen, Sprache. Gegründet 2006 ist der BFFS mit seinen über 3.000 Schauspielerinnen und Schauspielern inzwischen die mitgliederstärkste Berufsvertretung – Verband und Gewerkschaft – der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft und die größte nationale Schauspielerorganisation.

Der BFFS vertritt die berufsständischen sowie die gewerkschaftlichen Interessen der Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland. Er will die kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, tariflichen und sozialen Rahmenbedingungen verbessern bzw. schaffen, die sowohl den einzigartigen Schauspielberuf schützen, bewahren und fördern als auch die besondere Lebens- und Erwerbsituation der Künstlerinnen und Künstler berücksichtigen, die diesen Schauspielberuf ausüben.