Antworten von Antoine Monot auf Fragen von Thomas Bauer

Anfang März, im Nachgang der Vorstandswahl, hat Thomas Bauer für sein ca:stmag den frisch gewählten Vorstand befragt, unter anderem auch Antoine Monot.

Nun liegt die Wahl zwar schon einige Monate zurück, aber die klare Position, die Antoine bezieht, ist bestimmt auch jetzt noch für viele Mitglieder von großem Interesse. Viel Vergnügen beim Lesen!

Thomas Bauer: Lieber Antoine, ebenso wie Hans-Werner hast Du auf faceboook trotz meiner Klarstellung, dass ich nur ein Bote bin, hartnäckig insistiert, dass du mich für den Verfasser des Offenen Briefes halten würdest – dem ich tatsächlich über die Webseite des Branchenmagazins lediglich die professionelle Bühne geboten habe. Ist es für den Vorstand so schwer erkennbar oder vorstellbar, dass es neben einem auch nach außen wirksamen, stets konstruktiven Kritiker an der (2016 noch entrüstet zurückgewiesenen) Blockwahl noch weit mehr Unmut und Unzufriedenheit einer engagierten Minderheit gibt, die sich – viel zu spät – gegen dieses Wahlverfahren mit Vor- aber auch großen Nachteilen richtet?


Antoine Monot, Jr.: Hallo Thomas, der Verfasser des offenen Briefes hat sich bis heute nicht zu erkennen gegeben. Das ist schade, auch feige wie andere finden, aber vor allem es ist das Gegenteil einer konstruktiven Zusammenarbeit.

Du gibst zu, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung der falsche gewesen ist, obwohl du es ja selbst warst, der ihn zu genau diesem Zeitpunkt veröffentlicht hat. Das irritiert.

Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, warum du so Wert darauf legst, den Brief nicht geschrieben zu haben? Du hast dir doch die in dem Brief geäußerten Positionen mit deiner Unterzeichnung zu Eigen gemacht sowie die anderen Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sich diese Äußerungen ebenso zu Eigen gemacht haben. Oder willst du dich jetzt von den Inhalten distanzieren?

Wir sind ein Verband mit vielen Meinungen und Strömungen und auch mit viel Kritik. Auch wir im Vorstand haben unterschiedliche Meinungen und äußern auch Kritik an der Sache. Warum aber ein offener Brief? Ein offener Brief wird in der Regel immer dann gewählt, wenn der Absender den Adressaten nicht direkt erreichen kann. Oder wenn er aus Protest eine breite Öffentlichkeit über seinen Protest in Kenntnis setzen möchte. Reto Hunziker schrieb einmal in der Schweizer Medienwoche, der offene Brief wäre „ideal für alle Feiglinge, da eine direkte Auseinandersetzung mit dem Adressaten“ nicht nötig wäre. Er schreibt weiter, dass man mit einem offenen Brief „tendenziös gegen jemanden oder etwas schießen“ kann, der „sich nicht wehren kann“.

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Diese Form der Kommunikation eignet sich vortrefflich, wenn beispielsweise Emile Zola den Präsidenten an den Pranger stellt. Eignet sie sich auch, wenn man sich gut anderthalb Jahre lang nicht äußert? Während dieser Zeit haben wir zu 6 Mitgliederversammlungen eingeladen. Wo waren die rund 20 Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichner in diesen Jahren? Wo waren die Bedenken und die Kritik? Warum entschließen sich Mitglieder, nicht die Räume, die ihnen das Verbandsleben bietet, zu nutzen, um ihre Kritik zu äußern?

Das haben also gut 20 Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichner getan, sie haben diese Räume nicht genutzt. Stattdessen veröffentlichen sie ihre Kritik. Als der Brief publik wurde, habe ich jeden einzelnen von ihnen gebeten, sich bei mir zu melden. Ich habe meine private Handynummer in den sozialen Medien veröffentlicht, damit wirklich jeder die Möglichkeit hat, mich anzurufen. Einzelne von ihnen wiederum habe ich angerufen, angeschrieben, auf Anrufbeantworter gesprochen und um ein Gespräch gebeten, um die Probleme anzupacken. Kein einziger nahm das Angebot an.

Ich schließe daraus, dass es den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern weniger um Lösungen geht, als um den Protest an und für sich.

Wichtig ist übrigens festzuhalten, dass wir keine Blockwahl haben. Wir haben eine Listenwahl. Diese Definition legen nicht wir fest, sondern der Gesetzgeber. Auch die permanente Wiederholung, wir hätten eine Blockwahl, ändert daran nichts und macht es nicht richtiger oder wahrer.

Dass sich aus 20 unzufriedenen Unterzeichnern kein Team zusammenstellen lässt, das sich zur Wahl stellt, verwundert dann doch sehr. Aber wahrscheinlich ist es einfacher, einen Brief zu schreiben. Reto Hunziker nennt das feige. Soweit möchte ich nicht gehen. Aber es ist auf jeden Fall nicht produktiv. Ganz im Gegenteil.

Thomas Bauer: Zu Aussagen (die ich auch hier ungeachtet des Wahrheitsgehaltes nicht wiederholen kann, ohne eine hohe Vertragsstrafe zu riskieren) auf castmag.de und im zitierten Offenen Brief hatte „der BFFS “ nicht nur gegen castmag/mich sondern mindestens auch gegen Crew United/Oliver Zenglein eine Unterlassungserklärung angestrengt. Hältst auch Du persönlich eine solche Einschüchterung für den geeigneten Weg mit unbequemen Aussagen umzugehen?

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Antoine Monot, Jr.: Deine Aussagen waren nicht „unbequem“, sondern falsch. Sie waren geeignet, das Vertrauen der Mitglieder in die Rechtmäßigkeit der gerade stattfindenden Vorstandswahl zu erschüttern. Und das Einfordern der Unterlassungserklärung war keine „Einschüchterung“, sondern das notwendige juristische Vorgehen, den BFFS vor weiterem Schaden zu bewahren. Du hast die Unterlassungserklärung umgehend, ohne juristische Gegenmaßnamen unterschrieben. Weil du dich einschüchtern lässt? Das glaube ich nicht, das wäre mit deinem Presseethos unvereinbar. Nein, du hast deinen Fehler eingesehen. Nun könntest du ihn auch ruhig zugeben.

Irritierend an deiner BFFS-Mitgliedschaft (als Schauspieler), ist, dass du dich allen demokratischen Vorgängen innerhalb des Verbandes entziehst, immer mit dem Hinweis, dass du deine journalistische Unabhängigkeit wahren möchtest. Das ist dein gutes Recht als Betreiber dieses Hefts. Aber als BFFS-Mitglied ist es nicht konstruktiv. Im Gegenteil. Konstruktiv wäre es, wenn du dich aktiv einbringst und unsere aller Zukunft mitgestaltest.

Es geht hier immerhin um unseren Berufsstand, um unsere Zukunft. Der BFFS hat in den letzten 12 Jahren Unglaubliches erreicht. Wir haben zum ersten Mal in der Geschichte einen Tarifvertrag, wir haben Gemeinsame Vergütungsregeln mit ProSiebenSat.1 und verhandeln mit weiteren Sendern, öffentlich-rechtlich und privat. Wir haben die Deutsche Schauspielkasse gegründet und konnten bereits an die 5 Millionen Euro an Schauspielerinnen und Schauspieler ausschütten. Wir gestalten unsere Zukunft. Und das ist nur möglich, weil wir inzwischen über 3.400 Schauspielerinnen und Schauspieler sind, die gemeinsam für ihre Sache einstehen.

Und das ist das, was der neue Vorstand auch die kommenden Jahre unermüdlich machen wird. Die Zukunft von uns Schauspielerinnen und Schauspielern ehrenamtlich gestalten und formen. Und wir laden jeden ein sich aktiv und konstruktiv einzubringen.

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