Leslie Maltons Antwort auf die Frage von Thomas Bauer

Nach der Stabübergabe von Michael Brandner an Leslie Malton hat die frischgewählte Vorstandsvorsitzende des BFFS die Fragen des BFFS-Mitglieds Thomas Bauer zum Anlass genommen und ihren Blick auf Vergangenheit und Zukunft des BFFS skizziert:

Thomas Bauer: Was lief super im Verband? – und was sind die Punkte, die Sie persönlich in der Arbeit des Verbandes nach vorne bringen möchten?

Leslie Malton: Ich bin seit frühester Geburtsstunde des BFFS im Jahr 2006 überzeugtes Mitglied unseres Bundesverband Schauspiel. Was zunächst eine kleine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen unter Führung von Michael Brandner damals auf den Weg gebracht hat, ist in den letzten 12 Jahren Jahr für Jahr, Schritt für Schritt zu einem immer schlagkräftigeren Berufsverband und Gewerkschaft der Film-, Fernseh- und Bühnenlandschaft in Deutschland herangewachsen. Eine Entwicklung, die ich in den letzten 12 Jahren begeistert beobachten und auf zahlreichen Mitgliederversammlungen und Veranstaltungen des BFFS hautnah miterleben konnte. 

Ich erinnere mich an die ersten wichtigen Verhandlungen und Gespräche mit den Spitzenverbänden der Sozialversicherungskörperschaften, den Produzentenverbänden, mit denen wir die Missstände der in weiten Teilen chaotischen nicht geordneten sozialversicherungsrechtlichen Behandlung unserer Arbeit vor der Kamera ein Ende bereiten wollten. Am Ende stand ein von allen verantwortlichen Stellen erarbeitetes Eckpunktepapier, welches Grundlage einer dann zwölf Jahre andauernden Rechtssicherheit zur sozialversicherungsrechtlichen Behandlung unserer Arbeit war.

Nun werden Sie einwenden, dass diese Handhabung durch zwei BSG Entscheidungen zuletzt in 2018 gekippt worden seien. Das ist richtig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine ganze Branche in den letzten zwölf Jahren eine verlässliche Grundlage für die sozialversicherungsrechtliche Abrechnung und Behandlung von Engagements vor der Kamera hatte.

Nach zwölf Jahren hat es nun eine Änderung der Gesetzesauslegung durch diese BSG Entscheidungen gegeben. Auf diese Änderung der Rechtsprechung muss natürlich in angemessener Weise Rücksicht genommen werden. Und genau das hat der BFFS getan. Mit unserer ganzen Branchenpräsenz bringt er sich ein und arbeitet mit an Lösungen, damit die in der Branche nun aufgekommene Unsicherheit, wie mit der Vielzahl der unterschiedlichen Fällen rechtssicher, korrekt und künftig gesetzeskonform umgegangen werden kann.

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Ich erinnere mich an die ersten Tarifverhandlungen unseres Verbandes im Kinobereich, in denen wir nicht nur Gefahr liefen, von mächtiger Produzentenseite an die Wand gedrückt zu werden. Auch aus den Reihen anderer Berufsverbände, die eigentlich mit uns hätten Seite an Seite für die Vergütungsansprüche der Filmschaffenden hätte streiten sollen, wurde uns Widerstand entgegengebracht. Aber der BFFS hat sich gemeinsam mit seinen Partner wie ver.di und der Bundesvereinigung der Filmschaffenden nicht vom rechten Weg abbringen lassen und so kam es erstmals in der deutschen Filmbranche zu einer tariflichen Einigung auf deren Grundlage heute unsere Deska Schauspielkasse an viele Kolleginnen und Kollegen Erlösansprüche verteilen kann.

Seit mehr als 10 Jahren sind wir neben ver.di verlässlicher Ansprech- und Verhandlungspartner, wenn es um die tariflichen Belange in unserer Branche geht. Es war der BFFS, der als erster Branchenverband 2013 erstmals mit einem der großen Privatsender eine sogenannte Gemeinsame Vergütungsregelung verhandeln konnte. Dank dieses Erfolges erhalten seit 2014 Kolleginnen und Kollegen, die in erforderlichen Produktionen dieses Privatsenders mitgewirkt haben, zusätzliche Vergütungen, die schnell und effektiv über die vom BFFS gegründete Deska Deutsche Schauspielkasse verteilt werden. 

Im Zusammenhang mit der #metoo-Debatte war es unser Verband, der durch Einladung zu einem runden Tisch alle wichtigen Player der Film-, Fernseh- und Bühnenbranche geladen hat. Am Ende stand die branchenübergreifende Gründung der THEMIS – Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt. Großartig!!!

Unsere politische Lobbyarbeit hat in der Novellierung der gesetzlichen Regelung zum Bezug von Arbeitslosengeld 1 aber auch in der Reform des Urhebervertragsrechtes nach langen zähen Verhandlungen und Kämpfen Früchte getragen. 

Und da bin ich auch schon bei den Dingen, die wir uns für die Zukunft vornehmen müssen und wollen:

Die soziale Absicherung der Kolleginnen und Kollegen ist nicht zuletzt durch die Entscheidungen des Bundessozialgerichtes aus dem April 2017 und April 2018 unübersichtlich geworden. Damit meine ich, dass beispielsweise schnell offensichtlich geworden ist, dass niemand genau weiß, wie nun mit den häufig wechselnden Stati unserer Beschäftigungen rein praktisch umgegangen werden muss. Den kleinen Produzentenunternehmen fehlen schlichtweg das Know-how und die Kapazität, uns haargenau korrekt abzurechnen.

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Unterjährige und durchgehende soziale Absicherung in allen Sozialversicherungszweigen muss ein wichtiges Ziel des BFFS sein und bleiben, wenn wir effektiv etwas zur Verbesserung der Alters- und Sozialvorsorge unserer Kolleginnen und Kollegen erreichen wollen.

Im Bühnen und Theaterbereich müssen wir als BFFS künftig dringend den Anspruch haben, Missstände in Bezahlung und Beschäftigung und teilweise katastrophaler sozialer Absicherung durch tarifliche Regelung abzustellen. Erste Schritte sind wir hierzu bereits angegangen. Im Privattheaterbereich wollen wir mit Haustarifverträgen Stück für Stück eine Verbesserung der Beschäftigungsverhältnisse unserer Kolleginnen und Kollegen erreichen.

Und dann sind da die Baustellen im Bereich von gendergerechter Beschäftigung und Bezahlung. Mehr als 50% unserer Mitglieder sind Kolleginnen: Aufgabe des Verbandes wird es sein, einen Fokus auf die Verbesserung ihrer Beschäftigungssituation zu setzen.

Um hier wirklich und nachhaltig etwas zu bewirken, wollen wir künftig eng und koordiniert mit Branchenpartnern wie ProQuote Film zusammenarbeiten.

Ob Verbesserung unserer tariflichen Beschäftigungssituation, unserer Stellung als ausübende Künstler, unsere soziale Absicherung, es gibt weiterhin vieles anzupacken.

Rückblickend dürfen wir sagen, dass diese tolle Entwicklung unseres BFFS zum Teil auch durch ein glückliches Händchen derer, die für die Führung und den Aufbau des Verbandes in die Verantwortung gegangen sind, zu erklären ist. In schwierigen Zeiten hatte der Verband eine starke und kompetente Führung, die sich nicht von Nebelbomben in die Irre hat führen lassen.

Aber das ist nur die eine Seite. Der Erfolg des BFFS wäre ohne die tolle und so wichtige Unterstützung seiner Mitglieder, der unzähligen engagierten Kolleginnen und Kollegen, in den letzten zwölf Jahren nicht möglich gewesen. Diese Unterstützung und Rückendeckung der Mitglieder wünsche ich mir auch in der Zukunft und für die Dauer unserer Amtszeit und das glückliche Händchen für eine erfolgreiche Amtsführung hoffe ich, wünschen Sie uns!

Rechtsschutz für BFFS-Mitglieder