Queer Media Society meets BFFS

Bei dem BFFS-Stammtisch am 8. Juli in Berlin ging es um das Thema: Coming Out queerer Schauspieler und Schauspielerinnen – ist doch heutzutage kein Problem, oder? Zu Gast waren unter anderem Kai S. Pieck, Regisseur, Autor und Begründer der Queer Media Society (QMS), Charlotte Siebenrock, u.a. Casterin, Regisseurin, Aktivistin der Queer Media Society und Mitglied von Pro Quote Film und Klara Deutschmann, Vorstandsmitglied und Beauftragte für Diversity und Gender. Moderiert wurde die Veranstaltung von Petra Niermeier, u.a. Schauspielerin und Aktivistin bei QMS und Andreas Berg, Schauspieler und Regionalpate beim BFFS.

Queer Media Society (QMS) engagiert sich für eine offene und tolerante Gesellschaft und setzt sich für die Sichtbarmachung und die Repräsentanz nicht-heteronormativer Menschen in den Medien ein. Dieses Anliegen ist von großer Wichtigkeit, denn noch immer trauen sich die meisten Schauspieler*innen nicht, sich zu outen. Gerade männliche Schauspieler haben bei Castings oft große Angst in ihrer sexuellen Identität erkannt zu werden und sind daher in ihrem freien Spiel unfrei. Manchmal werden daher auch Freundinnen und Kinder zum Casting mitgebracht, um „den Heterosexuellen“ zu mimen, erklärte Charlotte Siebenrock. Diese erschreckende Entwicklung resultiert vermutlich aus der nach wie vor vorherrschenden, oftmals berechtigten Angst, ein Outing bringe Nachteile für die berufliche Karriere. Die ZDF Fernsehrätin* für LGBTTIQ* Jenny Luca Renner schlug vor, konkrete Programmbeschwerden zu schreiben und positive Veränderungen zu loben, um langfristig effektive Veränderungsmaßnahmen zu bewirken. Außerdem machte sie klar, dass alle dazu beitragen können, dass ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld entsteht. Kai Pieck fügte hinzu, dass manche Sender froh seien, wenn ihnen Beiträge vorgeschlagen werden, da ihrerseits ebenfalls eine große Angst vorherrsche, etwas falsch zu machen.

Angeregt und respektvoll diskutierten die Besucher*innen des Berliner Stammtischtreffens darüber, was wir brauchen: Sichtbarkeit und Repräsentanz unserer diversen Gesellschaft, Kampfgeist, Diskurs, Austausch und Mut. Wir benötigen sichtbare Role-Models in den Medien und somit in unserer Gesellschaft. Dabei können vor allem Schauspieler*innen und öffentliche Personen helfen. Jeder Mensch sollte sein eigenes Auftreten und seine Werte reflektieren und entscheiden, was er oder sie nach außen trägt. Es gilt Beziehungsmuster zu überprüfen. Dabei sollten auch heterosexuelle Menschen über ihre sexuelle „Orientierung“ sprechen. Welche Beziehungskonzepte werden im Fernsehen erzählt? Leben wir so? Ist das unsere Realität? Was ist zum Beispiel mit Polyamorie, fragte jemand aus dem Publikum? Ein großes Anliegen der Queer Media Society ist es, dass unsere Gesellschaft so bunt und queer gezeigt wird, wie sie ist, und dass das heteronormative Bild aufgebrochen wird. Letztendlich muss es divers besetzte Entscheidungsgremien geben, die es wiederum nur geben kann, wenn sich alle in ihrer Diversität „outen“.

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Viele informative und anregende Wortmeldungen und „herrlich radikale“ Vorschläge gab es bei diesem Stammtisch, aber auch teilweise Ernüchterung, von denen, die schon lange an der vordersten Front kämpfen. An dieser Stelle einen ganz besonderen Dank an Charlotte Siebenrock und Kai S. Pieck von QMS, Klara Deutschmann und den beiden Moderierenden, Petra Niermeier und Andreas Berg, für die ausführlichen Informationen und die Anregung. Der BFFS wird weiterhin den Austausch suchen und das Ziel einer Etablierung einer diversen Film- und Fernsehlandschaft voller Tatkraft verfolgen.

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