Wir Schauspieler*innen sind verloren zwischen den Stühlen!

Liebe Frau Bundeskanzlerin, liebe Frau Merkel,

ganz herzlichen Dank für Ihre Worte! Sie haben am Samstag Ihren Podcast eigens uns Künstler*innen gewidmet. Sie beklagen den „tiefen Einschnitt“, den die Corona-Krise für „unser gemeinsames kulturelles Leben“ bedeutet und heben hervor: „Ganz besonders betroffen sind die vielen Künstlerinnen und Künstler, ganz besonders hier wieder die Freischaffenden.“ (Siehe Transkript Podcast „Corona und Kultur“)

Sie sagen uns, „Ich weiß, dass es eine sehr, sehr schwere Zeit für Sie ist.“

Und wir Schauspieler*innen wissen: Wir sind wieder einmal verloren zwischen den Stühlen!

Denn so sehr wir Schauspieler*innen Ihre Ansprache begrüßen, so sehr verbittert uns, dass bisher alle Maßnahmen zur Unterstützung von Künstler*innen – seien sie nun vom Bund oder von den Ländern – größtenteils an uns Schauspieler*innen vorbeigehen.

Keine Künstlerhilfen für uns!

Obwohl wir „freischaffenden“ Schauspieler*innen wie Solo-Selbstständige von kurz befristeten Engagements zu kurz befristeten Engagement hangeln, die nun alle weggebrochen sind, werden wir von sämtlichen Künstlerhilfen ausgeschlossen, weil wir keine Solo-Selbstständigen sind. Denn sämtliche Künstlerhilfen setzen Solo-Selbstständigkeit voraus. Außerdem werden meistens nur Betriebskosten angerechnet, die wir nicht haben. Stattdessen haben wir als ständig Arbeitsuchende hohe Werbungskosten und viele von uns wissen jetzt nicht, wovon sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.

Keine Grundsicherung für uns!

Da bleibt nur die Grundsicherung. Aber weil wir aufgrund der vielen Lücken zwischen unseren Engagements nur eine kümmerliche gesetzliche Rente von ein paar hundert Euro erwarten dürfen, müssen wir möglichst viel auf die hohe Kante legen. Sonst können wir im Alter nicht überleben. 60.000 Euro Erspartes wird dafür nicht reichen. 60.000 Euro (plus 30.000 Euro für jeden in der Bedarfsgemeinschaft) gelten aber laut Antrag als ein „erhebliches Vermögen“, das uns von der Grundsicherung ausschließt.

Keine Einkünfte mehr für uns!

Gagen, die uns noch von abgesagten Vorstellungen und Drehtagen zustehen, bzw. das entsprechende Kurzarbeitergeld können uns – wenn sie uns überhaupt gezahlt werden – nicht auf Dauer über Wasser halten. Arbeitslosengeld bekommen nur die Wenigsten von uns, weil die Verbesserungen der verkürzten Anwartschaftszeit erst seit Jahresbeginn greifen. Wir haben keine Einkünfte mehr und keine Perspektive, wann wir wieder spielen und Geld verdienen dürfen.

Lesenswert:   Schnapsklappe - Nächster Schritt beim Arbeitslosengeld 1

Liebe Frau Merkel,

Ihre Bundesregierung, die Politiker im Bundestag, in den Ländern und vor allem Sie persönlich als Kanzlerin haben Deutschland in den letzten Wochen vorbildlich und so verantwortungsvoll wie menschenmöglich durch die gefährliche und mit vielen Unsicherheiten behaftete Corona-Krise gesteuert. Nun richten Sie sich direkt an uns Künstler*innen, machen uns Mut und unterstreichen, wie wichtig wir für unser Land sind.

Wir Schauspieler*innen hoffen, dass Ihre Zuversicht berechtigt ist; wir hoffen immer noch auf das Versprechen der Länderpolitiker und von Ihnen, „dass Künstlerinnen und Künstlern Brücken gebaut werden“. Denn wir brauchen jetzt ganz dringend und schnell eine Brücke über das tiefe Tal, in dem wir verloren zwischen den Stühlen sitzen! Wir brauchen dringend eine Künstlerhilfe, die auch uns „freischaffende“ – aber eben nicht solo-selbstständige – Schauspieler*innen berücksichtigt!

Mit vielen lieben Grüßen

Ihr Bundesverband Schauspiel

Facebook Kommentare

Rechtsschutz für BFFS-Mitglieder