20240327 Artikel Netflix Zahlt Und Verteilt

Netflix zahlt und verteilt

Heinrich Schafmeister
2. April 2024

Enger Austausch für eine zuverlässige Verteilung

Als erster Vertragspartner ist Netflix bereit, die Verteilung der Folgevergütungen nicht nur selbst zu finanzieren, sondern auch selbst zu organisieren.

Im Januar 2020 haben der Bundesverband Schauspiel (BFFS) und ver.di den ersten Vertrag mit Netflix geschlossen zu Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR) und Folgevergütungen an die Film-Kreativen bei Netflix-Serien. Das war zugleich in Europa der erste Vertrag solcher Art mit einem Streamdienstanbieter. Im Jahr 2021 folgte gleich die nächste Vereinbarung, diesmal zu Folgevergütungen bei Netflix Spielfilmen.

Bereits im Jahr 2014 hat unser BFFS eine eigene Verteilstelle, die deska Deutsche Schauspielkasse gegründet – oder besser – gründen müssen, weil die Geldgeber, wie z. B. die Kinoproduktionsfirmen, die Sendergruppe ProSiebenSat.1, die Verleiher Constantin Film und Studiocanal und die ARD, in der Regel entweder nicht willens waren oder sich schlicht überfordert fühlten, die Folgevergütungen hausintern an die berechtigten Kreativen aufzuteilen. Vor allem der Geldtransfer an Gruppen wie z. B. unseres Schauspiel-Casts ist aufwendig und kompliziert. Denn eine Gesamtbeteiligung wird in unserem Fall nie an nur eine Einzelperson ausgeschüttet, sondern muss immer für ca. 30 bis 100 Personen berechnet und überwiesen werden. Die Kontaktdaten der Kolleg*innen müssen recherchiert werden, viele Gespräche mit ihnen müssen geführt und etliche Nachfragen beantwortet werden.

Dem BFFS hat stets eine Verteilungslösung favorisiert, nach der unsere Kolleg*innen möglichst wenig oder gar nicht für die Kosten der Verteilung herangezogen werden und die Verwerter und Produktionsfirmen, die zumeist über mehr Personal und Ressourcen verfügen, die Verteilung in Eigenregie übernehmen … wozu sie allerdings bisher nie bereit waren. Ja, die meisten der Verträge, die unsere Gewerkschaft zur Zahlung von Folgevergütungen abschließen konnte, wären sicher nicht zustande gekommen, wenn der BFFS zur Lösung des Verteilungsproblems nicht seine deska hätte anbieten können. Bisher musste immer unsere deska aushelfen. Die Verteilungskosten wurden je nach Vereinbarung mit den Geldgebern mehr oder weniger den Kreativen aufgebürdet. Auch Netflix ging zunächst auf Nummer sicher und nahm die Dienste der deska in Anspruch, trug aber von Anfang an sämtliche Verwaltungskosten.

Im letzten Jahr hat Netflix gegenüber BFFS und ver.di die Bereitschaft erklärt, die Aufgabe der Verteilung selbst zu erledigen. Der BFFS befürwortet diesen Schritt und ist davon überzeugt, dass Netflix die Folgevergütungen genauso zuverlässig und korrekt verteilen wird, wie zuvor die deska. Für die Film-Kreativen hat der Administrationswechsel von der deska hin zu Netflix gar keine Konsequenzen:

Die vereinbarten Werte und Bestimmungen der Verteilungsschemata, die Bestandteil der Netflix-GVR sind, bleiben unverändert. Die Kosten der Verteilung wurden bereits in der Vergangenheit allein von Netflix getragen. So wird es auch künftig sein. Nach wie vor behalten ver.di und BFFS das Recht, jederzeit zu überprüfen, ob die Gesamtausschüttungssummen stimmen, die Verteilkriterien korrekt bewertet und die Verteilungsprozesse wie vereinbart durchgeführt werden. Für die Berechtigten ändert sich nur eines: Die Ansprechpartner*innen sind nicht mehr die von unserer deska, sondern die Mitarbeiter*innen von Netflix.

Damit auch in Zukunft die Verteilung der Netflix-Folgevergütungen reibungslos vonstattengeht, möchten die Mitarbeiter*innen von Netflix im ständigen Austausch mit den Gewerkschaften BFFS und ver.di bleiben. So fand z. B. kürzlich ein Treffen statt, bei dem die einzelnen Verteilungsprozesse unter die Lupe genommen wurden. Solche Treffen sind auch im Sinne der Gewerkschaften und werden unseren Kolleg*innen zugutekommen.