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Widerstand lohnt sich

Hans-Werner Meyer
25. November 2025

Einsparung für Renaissance-Theater vom Tisch

Die Schlagzeile der BZ vom 21.11. „Renaissance-Theater: Zusätzliche Einsparung ist vom Tisch“ erschien eine Woche nachdem sie zusammen mit den anderen Einsparungen, im Berliner Hauptausschuss beschlossen worden war.

Das kam zwar erhofft aber nicht unbedingt erwartet. Denn dem vorausgegangen war eine breit angelegte Öffentlichkeits-Kampagne von Schauspielenden und dem Intendanten des Renaissance-Theaters Guntbert Warns unter dem Hashtag „In der Kneese brennt noch Licht“, in denen die Folgen dieser zweiten Einsparungsrunde für das Haus aufgedeckt wurden. Denn nachdem bereits Anfang des Jahres bekanntlich von allen Berliner Kulturinstitutionen um die 13 % des Gesamtetats eingespart werden mussten, und zwar während der laufenden Saison und mit bereits verplanten Budgets, sollten es jetzt in einer zweiten Einspar-Runde für das Renaissance-Theater nochmal 200.000 € pro Jahr sein.

Die ersten Kürzungen bedeuteten für das kleine, aber für das Berliner Kulturleben bedeutende Haus, dass die Zahl der Neuinszenierungen von 5 auf 2 pro Jahr gesenkt werden musste, da an den Fixkosten ja nicht gespart werden kann (Miete, Gehälter des festangestellten Personals, etc.). Die weitere Einsparung on 200.000€ hätte vermutlich das Aus für dieses Berliner Traditionstheater bedeutet, das letzte in Europa noch existierende Art-Decò Theater, gebaut im Jahr 1927 vom Architekten Oskar Kaufmann. Von ihm stammen übrigens auch die Pläne für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, das Hebbel-Theater und die Komödie am Kurfürstendamm.

Letzteres wurde bereits von einem Investor abgerissen. Das war möglich, weil es als einziges dieser vier architekturhistorisch bedeutenden Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand. „Ein Schelm wer Böses dabei denkt.“, wie es bei Wilhelm Tell von Schiller heißt. Seit Jahren warten die Berliner auf die Fertigstellung des Neubaus, der sich an dem Original orientieren soll. Das Renaissance-Theater steht Gottseidank, wie auch das Hebbel und die Volksbühne, unter Denkmalschutz. Aber mit den geplanten Einsparungen hätte es als funktionierendes Theater wohl aufgehört zu existieren.

Diese Zusammenhänge wurden mit der Kampagne der Kulturschaffenden kommuniziert, zehntausendfach geteilt und dankenswerterweise von den Politiker*innen auch wahrgenommen. Nachdem die Kürzungen am 14.11. noch beschlossen worden waren, wurden sie kurz darauf wieder zurückgenommen.

All das zeigt zweierlei: Widerstand lohnt sich und Demokratie funktioniert - allen Unkenrufen zum Trotz. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass diese Einsparungen ja nicht leichtfertig und aus Lust an der Zerstörung beschlossen worden sind, sondern weil Berlin nun mal pleite ist. Vor dieser unbequemen Wahrheit können wir so wenig die Augen verschließen wie vor der Tatsache, dass Kultur in Zukunft wohl weniger ausschließlich von öffentlichen Geldern finanziert werden kann als bisher und es neuer Ideen für deren Finanzierung bedarf.

Die zweite gute Nachricht ist aber, dass solche Ideen oft gerade dann entstehen, wenn den Menschen klar wird, was sie gerade dabei sind zu verlieren. Im Fall des Renaissance-Theaters hat die oben erwähnte Kampagne genau das den Verantwortung tragenden Berliner Politiker*innen bewusst gemacht. Sie haben reagiert. Das Theater ist vorerst gerettet. So funktioniert Demokratie.

Inmitten unserer so oft als finster empfundenen Zeit ist das die dritte gute Nachricht.