Die jüngsten Zahlen der Agentur für Arbeit belegen: Die seit 2023 bestehende Beschäftigungskrise für Schauspiel-Engagements wurde trotz leichter Erholung auch im Jahr 2025 nicht überwunden. Meldungen unserer Mitglieder zufolge hat sich daran auch bis heute nichts Entscheidendes geändert. Das erst seit 2023 ausgewogene Verhältnis unter den Geschlechtern von 49,3% Beschäftigungen für Schauspielerinnen und 50,7% für Schauspieler ist sehr stabil geblieben.
Die Agentur für Arbeit ermittelt anhand der entsprechenden Berufskennziffern gesondert für alle Erwerbstätigkeiten an vier Stichtagen im Jahr (am 31.03., 30.06., 30.09. und 31.12.) die Beschäftigungszahlen. Die Berufskennziffer für die Schauspiel-Tätigkeit ist 94214. Die jüngsten Zahlen stammen vom Stichtag am 30.09.2025.
Von den insgesamt 16.000 Schauspieler*innen in Deutschland waren über viele Jahre pro Tag durchschnittlich ca. 6.200 in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen, sei es auf der Bühne, vor der Kamera oder hinter dem Mikrofon. Die Erhebungen des Deutschen Bühnenvereins lassen darauf schließen, dass von den insgesamt 6.200 pro Tag beschäftigten Schauspieler*innen ziemlich konstant um die 2.100 an deutschen Theatern spielzeitverpflichtet sind. Die restlichen ca. 4.100 Beschäftigungen werden also von Schauspieler*innen ausgeübt, die kurz befristet entweder für Gastrollen an Theatern, für Dreharbeiten, oder für Synchronisationen angestellt werden. Ungefähr 46% aller Schauspielbeschäftigungen entfielen in der Vergangenheit auf Frauen und 54% auf Männer. Die Zahlen für non-binäre Geschlechter werden von der Agentur für Arbeit leider bis heute nicht erfasst.
Mit der Corona-Krise verließ die stets wellenförmig verlaufende Beschäftigungskurve ihre seit 2012 üblichen Bahnen. Am 31.12.2020 stürzten die Schauspielbeschäftigungszahlen auf den zuvor noch nie dagewesenen Tiefstwert von 4.791. Nach Ende dieser Krise wurden offensichtlich so einige aufgeschobene Produktionen nachgeholt. So stiegen am 30.06.2022 die Schauspielbeschäftigungszahlen kurzzeitig auf den Höchststand von 7.471. Danach rutschten sie allerdings erneut in die Talsohle, am 31.12.2023 sogar auf 5.156. Der Jahresdurchschnitt lag im Jahr 2024 mit 5.505 sogar unter dem des schlimmsten Corona-Jahres 2021 von 5.698. Für das Jahr 2025 ist der Stichtagwert des Dezembers zwar noch nicht veröffentlicht, er wird aber erfahrungsgemäß wohl wieder der niedrigste im Jahr sein und den derzeit berechneten Jahresdurchschnitt von 5.920 Schauspielbeschäftigungen pro Tag weiter absenken.
Grund für die erneute Beschäftigungsschwäche nach der Corona-Krise dürften die schwierigen politischen Rahmenbedingungen sein. Die Bundesländer sparen massiv an der Kultur und verweigern dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die nötige Finanzierung. Die Filmförderpolitik des Bundes kommt nur schleppend voran und ist im internationalen Vergleich trotz einiger Fortschritte immer noch nicht konkurrenzfähig. Das Geschäft der Privatsender leidet unter der Wirtschaftsflaute und das der Streamer stößt hierzulande auch an seine Grenzen.
Erfreulich bleibt das Beschäftigungsverhältnis zwischen den Geschlechtern. Seit 2016 stieg der Schauspielbeschäftigungsanteil der Frauen allmählich an und liegt seit 2023 nahezu gleichauf mit dem ihrer männlichen Kollegen.
Fazit: Unsere Beschäftigungssituation bleibt schwierig, ist aber kein Grund, unsere Zuversicht zu verlieren, und schon gar nicht, in unserem gewerkschaftlichen Engagement nachzulassen.



