
Bitte kein Bauernopfer, sondern Farbe bekennen, Herr Kulturstaatsminister!
Die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle muss bleiben!
Tricia Tuttle zeichnet für eine unabhängige 76. Berlinale verantwortlich – inmitten einer weltpolitisch aufgeheizten Stimmung. Schwierig genug in diesen Zeiten.
Wie „Die Zeit“ zu Recht beschreibt, findet Tricia Tuttle auch noch die richtigen Worte gegen den Vorwurf der Zensur genauso wie zur grundsätzlichen Aufgabe und Funktion der Berlinale im aktuellen demokratisch-politischen Diskurs zu weltpolitischen Themen.
Dankesreden von Preisträger*innen sind, unabhängig davon, wie man zu deren Inhalt steht, nicht einer Festivalleitung zuzuschreiben. Noch weniger kann einer Intendanz angelastet werden, wenn sie die ureigenste Aufgabe der Gastgeberin wahrnimmt und sich mit Teilnehmer*innen des Filmwettbewerbs im Rahmen von Festivalveranstaltungen ablichten lässt.
Eine demokratische Gesellschaft, die aus der Kunst- und Redefreiheit ihr eigenes Lebenselixier schöpft, muss das – gerade auf der Bühne eines Filmfestivals – aushalten können. Umso mehr auf einem Filmfestival, in dessen DNA der streitbare politische Diskurs eine Hauptrolle spielt.
Es wäre ein fatales und ganz und gar falsches Signal, mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft der Berlinale, wenn der Kulturstaatsminister in dieser Situation dieser hervorragenden Festivalleitung nicht den Rücken stärkt, sondern den einfacheren Weg des Bauernopfers wählt.
