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Der überraschende Move einiger Synchronstudios

BFFS lädt Synchronstudios zum Gespräch über Netflix-KI-Regelungen ein

Die Sorge von uns Schauspieler*innen, durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verdrängt zu werden, ist absolut nachvollziehbar – vor allem im Synchronbereich. Hier und da nimmt die berechtigte Sorge hysterische Züge an und führt sogar zu Missverständnissen ausgerechnet bei den Maßnahmen, die den unkontrollierten Wildwuchs Künstlicher Intelligenz verhindern und sie in geregelte Bahnen lenken. Der Vertrag zum Einsatz von KI beim Synchron zwischen unserer BFFS-Schauspielgewerkschaft und dem Streamingdienst Netflix ist eine solche Maßnahme.

Kurz gesprochen garantiert dieser Vertrag, dass alle KI-Einsätze, die im Verdacht stehen, uns aus dem Synchron zu verdrängen, z. B. das Klonen unserer Stimmen, das Verwenden unserer Beiträge für die Erzeugung künstlicher Stimmen, überhaupt nur dann möglich sein dürfen, wenn wir dazu – gesondert!!! – unsere ausdrückliche Einwilligung erteilen, sonst nicht.

Manche Gruppierungen um uns herum klammern sich aber krampfhaft an die (vergebliche) Hoffnung, das Rad der technischen Entwicklung noch zurückdrehen und Künstliche Intelligenz restlos wieder aus unserer Welt verdammen zu können. Und in diesem (aussichtslosen) Kampf erklären sie auch den Vertrag zwischen unserem BFFS und Netflix, den einzigen Vertrag, der uns Synchronschauspieler*innen Schutz vor KI-Willkür bietet, zum bösen Teufelswerk. Dabei agitieren sie gegen den BFFS-Netflix-Vertrag immer wieder mit Fehlinformationen. Die Gilde ist eine solche Gruppierung und hat neulich ihre Kritik sogar mit der Empfehlung verbunden: „Wer es sich leisten kann, sollte die neue“ auf diesem BFFS-Netflix-Vertrag basierende „Rechteabtretung bis auf Weiteres nicht unterschreiben.“ Das Gilde-Schreiben enthält leider …

– weder eine Empfehlung für diejenigen Synchronschaffenden, die es sich nicht leisten können,

– noch eine Selbstverpflichtung der Synchron-Studios innerhalb der Gilde, die angeblich gefährlichen neuen Rechteabtretungen von Netflix erst gar nicht zu akzeptieren, oder notfalls Aufträge des Streamingdienstes abzulehnen.

Die Empfehlung der Gilde ist also inkonsequent, so wie die Vorwürfe und Behauptungen in dem Gilde-Schreiben Unsinn sind – aber sie entspringen, wie gesagt, nachvollziehbaren Sorgen, die uns Synchronschauspielende umtreiben.

Die Rolle der Synchronstudios innerhalb der Gilde

… ist allerdings interessant. Denn es erscheint kaum vorstellbar, dass das Schreiben der Gilde ohne die Zustimmung seiner Mitgliedsunternehmen Arena Synchron GmbH, EVA Studios Germany GmbH, RC Production GmbH & Co. KG, Level 45 GmbH, Splendid Synchron GmbH und Studio4 GmbH in die Welt gesetzt worden ist. Auch sie missinterpretieren anscheinend die KI-Regelungen des BFFS-Netflix-Vertrages und haben wohl deswegen die strikte Gilde-Ablehnung der neuen Netflix-Rechteabtretungen autorisiert.

Der BFFS weiß nicht, ob sich die betreffenden Synchronstudios mit ihrer Kritik bereits an Netflix gewandt haben. Der BFFS weiß auch nicht, welche Konsequenzen die Synchronstudios der Gilde hinsichtlich des Umgangs mit KI bei den Rechteabtretungen anderer Auftraggeber ziehen werden.

Der BFFS hat aber den Synchronstudios der Gilde und auch dem Bundesverband Deutscher Synchronproduzenten (BVDSP), falls andere Synchronunternehmen die Kritik an den Netflix-KI-Regelungen teilen sollten, angeschrieben und ihnen Gespräche angeboten, um mögliche Missverständnisse auszuräumen.

Update:

Die EVA Studios Germany GmbH und die Arena Synchron GmbH haben inzwischen geantwortet. Erstere hat sich klar vom Gilde-Schreiben distanziert und beide sind sehr an einem Austausch in der Sache interessiert. Der BFFS hofft, dass sich weitere Synchronstudios anschließen werden.

Auf Bitte der Gilde-Synchronstudios folgt ein weiteres Update:

Heute, am 12.12. wurde der BFFS von Seiten der Synchronstudios darüber informiert, dass der Vorstand des Synchronverbandes e.V. „die Gilde“ die Synchronstudios als Mitglieder des Verbandes im Vorfeld des am 08.12. versandten Schreibens nicht vorab konsultiert habe und diese auch nicht an der Entscheidungsfindung des Vorstands und Beirats eingebunden worden seien.

Damit stellt sich für den BFFS folgendes neues Bild dar:

Der Vorstand der Gilde empfiehlt im Namen des gesamten Verbandes, die Netflix-Rechteabtretungen nicht zu unterschreiben, und hat dafür nicht die Rückendeckung der Synchronstudios, die Mitglieder im Verband sind.

Verantwortungsvolles Handeln gegenüber den Synchronschaffenden, die es sich am wenigstens leisten können, einer solchen Empfehlung Folge zu leisten, geht anders!

Verunsicherung ist ansteckend

… und das letzte, was unsere Synchronbranche angesichts der rasanten KI-Entwicklung gebrauchen kann. Das gilt für Synchronschaffende, aber wohl auch für Synchronstudios.

Mit aufklärenden Gesprächen hat der BFFS unter seinen Mitgliedern, vor allem den Synchronschauspielenden, bisher gute Erfahrungen gemacht. Der BFFS ist von seiner KI-Strategie „Verhandeln statt Verzweifeln“ fest überzeugt und hat über den KI-Tarifvertrag, den Netflix-KI-Vertrag Filmschauspiel und den Netflix-KI-Vertrag Synchronschauspiel intensiv informiert …

– auf mehreren Live-Veranstaltungen in verschiedenen Städten,

– bei ausführlichen Online-Versammlungen,

– über die Sozialen Medien

– und natürlich über seine Homepage.

Anscheinend müssen auch direkt die Synchronstudios über den KI-Vertrag mit Netflix aufgeklärt werden. Dem will sich der BFFS gerne stellen.