
Falschbehauptungen und einseitige Berichterstattung über den letzten Synchron-Zoom in der FAZ
In einem Artikel in der FAZ hat die Journalistin Theresa Hannig, die offensichtlich beim letzten Synchron-Zoom dabei gewesen ist, einen Artikel über das Thema Netflix-Regelung geschrieben, ohne Fakten zu checken und unbelegte Behauptungen des VDS zu überprüfen. Weil diese Falschbehauptungen nicht unwidersprochen bleiben dürfen, habe ich einen Leserbrief an die FAZ geschrieben, aus dem ich hier die wichtigsten Stellen zitieren möchte.
„… Schon den ersten Satz würde ich eher in der BILD-Zeitung erwarten als in einem FAZ-Artikel. „Bernhard Störkmann und Till Völger, die Geschäftsführer des BFFS, sind beleidigt.“ Ein Satz, zwei Fehler. Erstens ist Bernhard Störkmann geschäftsführender Justiziar, und Till Völger im Vorstand und zweitens können Sie nicht wissen, wie sie sich fühlen, … Und selbst wenn Sie es wüssten, wäre diese Behauptung nicht der Beginn eines Artikels, in dem der Gegenstand des Konflikts in seiner ganzen Komplexität untersucht werden soll, sondern ein weiteres manipulatives Steinchen in dem Haus des populistischen Narrativs, das der VDS seit Monaten baut und zu dessen Erfüllungsgehilfen Sie sich mit diesem Artikel machen.
Und so geht es denn auch weiter. Sie übernehmen die Behauptung der VDS-Vorständin Anna-Sophia Lumpe, „im vergangenen Monat habe man mehr als 100 neue Mitglieder verzeichnet, die beim BFFS ausgetreten seien“, ohne diese Behauptung (journalistische Sorgfaltspflicht!) beim BFFS zu überprüfen. Ob es stimmt, dass der VDS im letzten Monat 100 neue Mitglieder verzeichnet, kann ich nicht überprüfen. Aber als BFFS-Vorstand kann ich ihnen sagen, dass es nicht den Tatsachen entspricht, dass im letzten Monat 100 Mitglieder bei uns ausgetreten wären. Wahr ist vielmehr, es gibt in den letzten drei Monaten einen realen Mitgliederzuwachs. Auch die Behauptung, nur wenige unserer Mitglieder wären Synchronsprecher, ist falsch. Wahr ist, dass viele unter dem Bereich Film/Fernsehen gelistet sind, weil sie eben nicht „nur“ mit Synchron ihr Geld verdienen, sondern auch mit anderen Jobs. …
Die Antwort auf die Frage, wie denn eine Regelung aussehen könnte, die KI-Training bei Netflix effektiv verhindern kann, ist der VDS bis heute schuldig, ebenso wie die Antwort auf die Frage, was sein strategisches Ziel ist. Die einen phantasieren davon, KI-Training mit Stimmen quasi zu verbieten, damit ihre Stimme nicht Teil eines Datengulaschs wird, die anderen glauben, dass das gar nicht mehr zu verhindern ist, wollen aber wenigstens dafür vergütet werden. Zwei Ziele, die sich widersprechen.
… Der BFFS hat mit Netflix einen Vertrag ausgehandelt, in dem Gemeinsame Vergütungsregeln mit Folgevergütungen auch für Synchronschauspieler*innen vereinbart wurden, die es vorher so nicht gab, und in dem auch die Art geregelt wird, wie und zu welchem Zweck KI Training stattfinden darf und wie eben nicht.
Eine solche Vereinbarung ist immer ein Kompromiss. Die Alternative wäre: Keine Vereinbarung. Das bedeutet: Keine Folgevergütung und eben auch keine Regelung zum KI-Training. Warum keine Vereinbarung besser sein sollte als eine Vereinbarung, auch die Antwort auf diese Frage bleibt der VDS schuldig.
Fakt ist: Der VDS mag derzeit gegen den BFFS im populistischen Meinungsraum eine Schlacht nach der anderen schlagen und sich daran erfreuen, wie viel Zustimmung er damit glaubt zu erreichen, aber er ist gleichzeitig dabei, das, was er damit retten will, zu opfern, weil es langfristig, darüber gibt es, soweit ich weiß, keinen Dissens, möglich sein wird, die Originalstimmen der Schauspieler*innen andere Sprachen sprechen zu lassen. Wenn es soweit ist, werden keine Synchronschauspieler*innen mehr gebraucht. Die Versuche eine Einigung zu torpedieren, mit der beide Seiten leben können, wird diesen Prozess notgedrungen eher beschleunigen als verlangsamen, weil Netflix den deutschen Markt ja nicht unbespielt lassen kann, bloß weil eine Handvoll Aktivisten, die weder eine Strategie noch die Möglichkeit haben, diese durchzusetzen, die Arbeit vor dem Mikrofon verweigern. Es gibt viele Länder, in denen die Menschen gewohnt sind, Originalfassungen mit Untertiteln zu schauen. Zusammen mit den technischen Möglichkeiten, die Originalschauspieler durch KI andere Sprachen sprechen zu lassen ergibt sich ein Bild, das gegen jede Möglichkeit weiterer Einflussnahme spricht, wenn aus fundamentalistischen Gründen die Arbeit verweigert wird.
Es tut mir leid, wenn ich diese kriegerische Rhetorik bediene, aber wie soll man es denn nennen, wenn vonseiten des VDS jede Gelegenheit genutzt wird, um Stimmung gegen die einzig wirksame Gewerkschaft der Schauspieler*innen zu machen und andererseits jede Gelegenheit, die gemeinsamen Interessen zu demonstrieren, verschmäht wird? Wie soll man es nennen, wenn ein von keiner Gewerkschaft legitimierter Arbeitskampf und Boykott ausgerufen und Druck auf die Kolleg*innen ausgeübt wird, sich diesem Boykott anzuschließen, obwohl sie keinen gewerkschaftlichen Schutz haben und die reale Gefahr im Raum steht, dass die dann eben durch andere ersetzt werden? Wie soll man es nennen, wenn aus einer zwar verständlichen aber eben nicht zu einer stringenten Strategie führenden Angst heraus der natürliche Partnerverband als Verursacher der Probleme gebrandmarkt wird, die dieser versucht, in der realen Welt so effektiv wie möglich zu lösen? Und wie soll man es nennen, wenn dann sogar noch Journalist*innen, die für eine dem Qualitätsjournalismus verpflichtete Zeitung schreiben, dieses Narrativ mit populistischen Mitteln bedienen?
Und das, nachdem der BFFS, insbesondere Bernhard Störkmann und Till Völger, seit Monaten mit einer Engelsgeduld einen Zoom nach dem anderen abhalten, um den Kolleg*innen, egal, ob Mitglied im BFFS oder nicht, immer wieder differenziert, fundiert und kompetent die Faktenlage zu erklären, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten und immer wieder von einigen wenigen Aktivisten des Ausverkaufs der Interessen der Synchronschauspieler*innen bezichtigt zu werden, ohne dass dafür stichhaltige Argumente geliefert würden und unter Verdrehung der Kausalkette. Denn der BFFS hat KI weder erfunden, noch „erlaubt“ er die Nutzung mit echten, konkreten Stimmen erstellter synthetischen Stimmen. Der BFFS versucht stattdessen, durch Verträge, deren Nutzung so zu regeln, dass die Synchronbranche möglichst erhalten bleibt.
Nein, liebe Frau Hannig, die beiden waren ganz sicher nicht beleidigt. Ich vermute eher, sie sind es inzwischen einfach leid, als Punchingbälle benutzt zu werden, weil die echten Gegner für diese kurzsichtigen Kolleg*innen eben nicht erreichbar sind.
Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung, dass die FAZ in Zukunft ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht wieder nachkommt, so, wie man es von ihr erwarten darf,
Hans-Werner Meyer
Vorstand im BFFS


