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20251222 Kaum Nachrichtenwert Artikel Bild

Kaum Nachrichtenwert

Wenn Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen oder wenigstens wichtige Fortschritte dabei erzielt werden, auch wenn sie scheitern und natürlich, wenn Aktionen oder gar Streikmaßnahmen geboten sind – das sind wichtige Ereignisse, über die unsere Schauspielgewerkschaft berichtet. Dagegen gehören rein formale Schritte, z. B. die übliche Kündigung von Tarifverträgen, um an ihnen Verbesserungen aushandeln zu können, zur Routine des normalen Tarifgeschäfts und haben eigentlich kaum Nachrichtenwert.

So hat unser BFFS gemeinsam mit der GDBA fristgerecht zum Jahresende den NV Bühne gekündigt. Bei den Bemühungen der Drei-Schwestern-Gewerkschaften GDBA, VdO und BFFS gemeinsam mit dem Deutschen Bühnenverein, den NV Bühne zu reformieren und fürs 21. Jahrtausend tauglich zu machen, sind auch die tariflichen Regelungen zur Nichtverlängerung Verhandlungsgegenstand. Ein schwieriges Thema, wie sich alle denken können, gerade in Zeiten, in denen Bühnen unter dem Druck von Sparmaßnahmen zunehmend versucht sind, diese Regelungen auszunutzen, um ihre Ensembles zu verkleinern.

Die Gefährdung des deutschen Ensembletheaters ist für unsere Gewerkschaften ein gewichtiger Grund von mehreren, sorgsam vorzugehen und sich alle tariflichen Optionen offen zu halten. Dazu gehört letztendlich auch die Option, gegebenenfalls Arbeitskampfmaßnahmen ergreifen zu können, die allerdings formal die fristgerechte Kündigung eines Tarifvertrags (wie in diesem Fall des NV Bühne) voraussetzen. Das haben GDBA und BFFS getan – also alles normal, kein Drama.

Der Deutsche Bühnenverein wertet die Kündigung als weitere „Destabilisierung an den Theatern“ und „verantwortungslos“. Im Gegenteil: Sie beschleunigt unsere Tarifverhandlungen. Denn wertvolle Zeit zu verplempern und die Reform des NV Bühne, die ja auch der Deutsche Bühnenverein als bitter nötig ansieht, leichtfertig auf die lange Bank zu schieben – das wäre verantwortungslos, das wäre Destabilisierung an den Theatern.

Der Deutsche Bühnenverein kann sich jedenfalls darauf verlassen: Unsere Drei-Schwestern-Gewerkschaften werden auch im neuen Jahr weiterhin zielstrebig verhandeln: an einem gemeinsamen Tarifvertragserfolg – mit Nachrichtenwert!