
KI in der Film- und Synchronbranche, die Suche nach dem richtigen Weg
Gewerkschaftliche Arbeit für klare Regeln versus Boykott und Stimmungsmache
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Film- und Synchronproduktion ist längst Realität. Generative KI kann Stimmen nachbilden, künstliche Stimmen erzeugen und Szenen digital erstellen. Viele (Synchron-)Schauspieler*innen haben angesichts der rasanten Entwicklung von KI die nachvollziehbare Sorge, langfristig ersetzt zu werden. Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) kämpft seit Jahren durch intensive politische Lobbyarbeit auf nationaler und europäischer Ebene für einen bestmöglichen Schutz von (Synchron-)Schauspieler*innen.
Um die Synchronschauspielbranche bestmöglich zu schützen, setzt der BFFS auch auf verbindliche, faire und angemessene Schutzregeln, die direkt mit den relevanten Branchenpartnern verhandelt werden. So geschehen mit dem größten Arbeitgeberverband, der Produktionsallianz, und ebenso mit Netflix.
Diese Vereinbarung mit Netflix wird von namhaften Stimmen aus der Rechtswissenschaft sehr befürwortet. So beispielsweise auch Prof. Dr. Artur-Axel Wandtke, einer der renommiertesten Urheberrechtsprofessoren.
Wichtig zum Verständnis: Bei der mit Netflix ausgehandelten Vereinbarung handelt es sich um einen Rechtsrahmen. Dieser ist das Fundament für künftige Kollektiv-Vereinbarungen. Für deutsche Netflix-Produktionen gelten nun unter anderem folgende verbindliche Schutz- und Grundprinzipien:
- Dieser Rechtsrahmen als Grundlage für eine existenzielle Absicherung der Synchronbranche schafft die Voraussetzung für künftige Vergütungen von KI-Stimmen, die das Gesetz so nicht vorsieht.
- Die Nutzung von KI-Stimmen ist nur zulässig, wenn die Synchronschauspieler*innen, deren Arbeitsergebnisse hierfür verwendet werden, ausdrücklich und gesondert zustimmen. Das gilt selbst dann, wenn die KI-Stimme keiner ursprünglichen Stimme ähnelt. Das geht über das gesetzliche Schutzniveau hinaus.
- KI-Training gibt es unabhängig von der Vereinbarung bereits seit Jahren. Die Vereinbarung regelt aber erstmals, in welchem Rahmen künstlerische Beiträge von Synchronschauspieler*innen in Netflix-Produktionen zum Training einer KI-Technologie von Netflix genutzt werden können. Also auch hier erhöhter Schutz und eine Lösung für die unklare Gesetzeslage.
In nächsten Schritten zielt der BFFS darauf ab, Regeln zur Vergütung für KI-Nutzungen einschließlich KI-Training mit den relevanten Branchenplayern zu verhandeln.
Die vom BFFS erreichte KI-Regelung wird von einem anderen Verband öffentlich kritisiert. Ein Rechtsgutachten hat angeblich festgestellt, dass „zentrale Klauseln des Vertrags unwirksam oder rechtswidrig“ seien. Auf dieser zweifelhaften Basis werden verunsicherte Synchronschauspieler*innen aktuell unter Druck gesetzt, ihre Unterschrift unter neue Netflix-Verträge zu verweigern. Die Folge: Sie werden umbesetzt, verlieren Gagen und auch die Möglichkeit, zusätzliche Vergütungen bei erfolgreichen Netflix-Produktionen zu erhalten.
Die Annahme, den Einsatz von KI durch Boykott und Blockade verhindern oder zurückdrehen zu können, greift zu kurz und führt zu unabsehbaren Nachteilen für die Synchronbranche.
Prof. Dr. Artur-Axel Wandtke, einer der bekanntesten deutschen Urheberrechtsexperten, warnt darüber hinaus:
- „Zentrale Schlussfolgerungen dieses Gutachtens beruhen auf unzutreffenden rechtlichen Ausgangspunkten.“ (Siehe Seite 2 Übersicht).
Wandtke bewertet die Netflix-KI-Regelung-Synchron-Schauspiel des BFFS positiv:
- Sie „führt im Ergebnis zu einer materiell- und prozessrechtlichen Verbesserung der Rechtsposition von Synchronschauspielern.“ (Siehe letzte Seite, Abschnitt D).
Überhaupt ist Prof. Dr. Wandtkes ausführliche Beurteilung für den BFFS eine weitere, diesmal zutiefst juristisch fundierte Bestätigung, angesichts der Bedrohung durch KI auf dem richtigen Weg zu sein.
Dazu einige Zitate von unseren Kolleg*innen:
„Die vom BFFS verhandelten Regeln zu KI geben mir Sicherheit. Hier Lösungen zu schaffen, ist Pionierarbeit. Und ich bin froh, dass sich meine Gewerkschaft dieser Aufgabe stellt.“
„Dank des BFFS-Vertrages mit Netflix gehen wir wenigstens nicht leer aus, wenn unsere Stimmdaten zur Grundlage eines KI-Einsatzes werden. Denn meine Zustimmung werde ich nur geben, wenn ich für die Nutzung meiner Stimme eine faire Vergütung erhalte. Dass ich das jetzt auf Augenhöhe erwarten kann, ist durch die Vereinbarung sichergestellt.“
„Ohne den Vertrag des BFFS mit Netflix gäbe es keine KI-Regeln mit Netflix, keine Folgevergütungen und keinerlei Schutz vor willkürlichem KI-Einsatz.“
„KI wird die Synchronbranche verändern. Deshalb bin ich froh, dass der BFFS erstmals einen nachvollziehbaren Rahmen für den Umgang mit KI geschaffen hat. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied und habe aufgrund der bisherigen Ergebnisse volles Vertrauen in meine Schauspielgewerkschaft. Sachliche Verhandlungen mit Expertise sind der Schlüssel für die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Und das leistet der BFFS.“
„Mit dem rechtlichen Rahmen, den der BFFS mit Netflix aber auch mit der Produktionsallianz zum Thema KI-Einsatz vereinbart hat, verhindern wir, dass beim KI-Einsatz „Verhältnisse wie im wilden Westen“ herrschen. Wer zum Boykott dieser Regelung aufruft, muss eine bessere Lösung anbieten, realistisch betrachtet wüsste ich nicht welche.


