DIE NEUE BFFS-KAMPAGNE „UNEQUAL PAY“

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Kampagne und Text entstanden unter Mitarbeit von Belinde Ruth Stieve, BFFS-Mitglied und Bloggerin (http://schspin.wordpress.com).

Es ist etwas faul im Staate…

Auf einem Berliner Stammtisch berichtet eine Agentin, dass Berufsanfängerinnen regelmäßig zu niedrigeren Gagen angefragt werden als Berufsanfänger. Ein Schauspieler erzählt bei der Paneldiskussion „Wer spielt im deutschen Fernsehen eine Rolle?“ von einem Werbecasting, bei dem für die Schauspieler höhere Gagen festgeschrieben waren als für die Schauspielerinnen. In einem Castingaufruf für den Pilotfilm einer neuen TV-Serie steht, dass die männliche Hauptrolle eine höhere Tagesgage erhalten soll als die weibliche – und das ungeachtet der endgültigen Besetzung. In einer Theaterproduktion erhielt die männliche eine höhere Gage als die gleichwertige weibliche Hauptrolle, und das, obwohl der Schauspieler angeboten hatte, einen Teil seiner Gage an die Kollegin abzutreten, damit beide dadurch das Gleiche bekämen.

Dies sind nur einige Beispiele für die real existierende Benachteiligung von Frauen in unserem Beruf.

Neben den ungleichen Gagen gibt es noch eine Reihe weiterer Aspekte, die wir als Gewerkschaft für Schauspieler UND Schauspielerinnen nach und nach thematisieren wollen und werden. Das war schon lange überfällig! Und deshalb starten wir, der BFFS, jetzt nach „Auf den Hund gekommen“ unsere zweite größere Kampagne zu ungerechten Gagen: UNEQUAL PAY.

Damit wollen wir, der BFFS, uns aktiv für eine gleiche Bezahlung und gegen Geschlechterdiskriminierung bei den Gagen einsetzen!

Über Geld spricht man nicht

Das haben viele von klein auf gelernt, und es ist auch in unserer Branche noch weit verbreitet, unter Kolleg/innen über tatsächliche Gagen zu schweigen. Sei es, weil es unangenehm ist, als zu niedrig empfundene Gagen nennen zu müssen oder sei es, weil der – rechtlich tatsächlich unwirksame – Passus „die Vertrags-partner/innen vereinbaren über die Höhe der Gagen auch gegenüber Arbeitskolleg/innen absolutes Stillschweigen“ einschüchtert. Dabei ist es wichtig, uns über Gagen auszutauschen und dem BFFS Einblick in die Gagensituation zu ermöglichen.

Lesenswert:   Der BFFS trifft auf reges Interesse

Es ist keine persönliche Schande, für wenig Geld zu arbeiten, es ist höchstens eine Schande für die Theater und Filmproduktionen, zu niedrige Gagen zu zahlen.

Um das tatsächliche Ausmaß dieser geschlechtsabhängigen Gagenunge¬rech¬tig¬kei-ten festzustellen, die über die aktuelle sich verschlechternde Situation (Stichwort „Sondergagen“) noch hinaus gehen, bitte der BFFS Euch alle, Schauspielerinnen und Schauspieler, Agentinnen und Agenten, Casterinnen und Caster, um aktive Mithilfe.

Wer, wenn nicht wir?

Bitte meldet alles, was auf eine ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen hinweist, an die E-Mail-Adresse unequalpay@bffs.de.

Wie immer werden wir eure Mails streng vertraulich behandeln und anonymisiert aufbereiten.

Bitte unterstützt diese Kampagne, indem ihr auch Andere auf sie aufmerksam macht! Verlinkt diese Seite in Euren Social Media Profilen, erwähnt sie in Euren Newslettern.

Haltet Augen und Ohren offen, wenn Ihr Castingaufrufe lest oder Anfragen für Eure Schauspieler/innen erhaltet.

Seid aufmerksam, wenn Ihr erfahrt, dass Kolleg/innen für eine gleichwertige Rolle deutlich mehr oder weniger Geld bekommen. Sucht gemeinsam nach Kompromissen und Lösungen.

Sprecht über Geld.

Über Julia Beerhold

Julia Beerhold
Julia Beerhold wurde in Düsseldorf geboren mit dem Ziel, so schnell wie möglich etwas anderes zu sehen. Nach Aufenthalten in Malaysia, USA, Frankreich und Chile lebte sie etliche Jahre in Madrid und absolvierte dort auch ihr Schauspielstudium. Seitdem ist sie nicht weniger reiselustig, aber immerhin sesshaft in Köln. Nach Engagements an verschiedenen Bühnen und einer glanzvollen Karriere als Punkrockgitarristin bei den Bands KWIRL und G.C.Poma (Grrlism Causes Pimples On My Ass) tourte sie mehrere Jahre lang als Pianistin und Sängerin mit dem Serge-Gainsbourg-Abend „Ich liebe dich… ich auch nicht“.

Siehe auch

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