Unser Abschluss-Screening zu „Berlin ungeschminkt“: Die Gesichter einer Region – lustig, spannend und berührend

„Berlin ungeschminkt“ ist beendet!

Am 25. März 2017 wurde im Babylon-Kino in Berlin Mitte vor rund 300 geladenen Gästen ein dreißigminütiger Zusammenschnitt der in den letzten Monaten entstandenen Kurzporträts gezeigt. Im Anschluss gab es Gelegenheit zum Netzwerken bei Kaffee, Kuchen und Sekt. Die Veranstaltung setzte den Schlusspunkt unter den Berliner Beitrag zu unserer „BFFS Ungeschminkt“-Reihe.

Die zahlreich erschienenen BFFS-Mitglieder und das „Berlin Ungeschminkt“-Team trafen beim Screening auf Vertreterinnen der Jury und der Casting Direktorinnen. Anwesend waren neben Schirmherrin Iris Baumüller, die Casting Direktorinnen Ana Dávila, Sandra Dombrowski und Stephanie Maile sowie als Vertreterinnen der Jury Frau Dr. Schröder Josephine-Zebralla und Ulla Kock am Brink.

Der kurzweilige Trailer brachte die Essenz der Ungeschminkt-Reihe zum Ausdruck:

Aus knapp 100 der Porträts, die unter realen Casting-Bedingungen in den Räumen der ZAV Berlin mit renommierten Casting Direktorinnen und Regisseurinnen aufgenommen worden waren, formte unser Kollege Michael Ruscheinsky einen berührenden Film über das, was uns als Schauspielleute ausmacht.

Angefangen bei der Schwierigkeit, von uns selber zu erzählen, wenn wir uns hinter keiner Rolle verstecken können, über die Ereignisse und Anekdoten, die uns zu der Person gemacht haben, die wir heute sind, bis zu Momenten, in denen wir einfach der Kamera erlaubt haben, uns ganz pur, offen und verletzlich, eben „ungeschminkt“ aufzunehmen, war alles dabei, was dieses Projekt ausmacht.

Der donnernde Applaus für den Trailer deutet jedenfalls darauf hin, dass die Gäste ebenso begeistert waren wie schon zuvor die Jury.

Alle Clips sind ab sofort auf Filmmakers in der eigens dafür konzipierten Rubrik zu finden. Außerdem haben bereits einige Casting-Büros mit eigener Datenbank angefragt, ob sie ebenfalls Zugriff auf die Clips haben dürfen. Diese positive Resonanz bestärkt uns, die Reihe weiterzuführen!

Welche Region als nächste dran ist, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Eines ist jetzt schon sicher: Die folgende Region wird enorm von der Arbeit des Berliner Teams profitieren, welches das Projekt inhaltlich, formal und organisatorisch noch mal auf ein ganz anderes Niveau gehoben hat.

Wie ist die „BFFS-Ungeschminkt“-Reihe entstanden und worum geht es?

Die „Ungeschminkt“-Reihe entstand 2010 in Köln durch das Engagement von Iris Baumüller und Marc Schötteldreier, die auch heute noch gemeinsam mit Julia Beerhold die Schirmherrschaft inne haben. Iris Baumüller hatte damals allen BFFS-Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen einen Termin bei den „Besetzern“ angeboten. Um diesen Termin optimal zu nutzen und weil sie damals schon gerne mit kurzen Interviews als Zusatz zum Demoband arbeitete, hob der BFFS unter der Leitung von Julia Beerhold und mit Hilfe des Kölner Stammtisch-Teams das Projekt „BFFS Ungeschminkt“ aus der Taufe.

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Nachdem in Nordrhein-Westfalen durch „NRW Ungeschminkt“ viele neue Besetzungen entstanden waren, folgte „Bayern Ungeschminkt“ (Leitung: Nicole Unger). Auch hier ging es weiterhin darum, Stereotype bei der Besetzung aufzubrechen, neue Ideen und Impulse zu geben und den Casterinnen und Castern eine Argumentationshilfe zu bieten, um unbekannte Gesichter „schmackhaft zu machen“ oder bei bereits bekannten Gesichtern neue Facetten zu entdecken.

Wer beispielsweise immer nur für Comedy besetzt wurde, kann das „Ungeschminkt“-Porträt dafür nutzen, auch im dramatischen Genre Interesse zu wecken. Wer als Mensch mit dunkler Hautfarbe bisher als Kiosk-Räuber oder Prostituierte besetzt wurde, kann explizit darauf hinwirken, als DER normale Teil unserer Gesellschaft besetzt zu werden, der er oder sie ist.

Die „Ungeschminkt“-Reihe ist daher ein wichtiger Baustein in unserer Verbandsarbeit, da sie das Ressort Casting mit unserer politischen Agenda verknüpft:

  1. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden, in diesem Fall zwischen dem Bundesverband Casting (BVC) und dem BFFS.
  2. Durch die Professionalisierung unserer Mitglieder, die gestärkt und auf Augenhöhe in den Besetzungsprozess gehen, wenn sie sich im Vorfeld mit der Frage auseinandersetzen, was sie als „Schauspiel-Persona“ ausmacht.
  3. Durch die Verknüpfung mit dem Ressort Gleichstellung – denn das Aufbrechen von Rollenstereoptypen fällt sowohl in den Bereich Gender als auch in den Bereich Diversity, also in beide Teile unseres Ressorts „Gleichstellung“.

Und last but not least zeichnen die „Ungeschminkt“-Porträts jeweils das Bild einer Region. Da der regionale Aspekt im Hinblick auf Filmförderung immer wichtiger wird, haben wir uns gleich zu Beginn entschlossen, jeweils einzelne Regionen in den Blick zu nehmen. Letztendlich wäre es aber auch gar nicht leistbar, das Projekt gleichzeitig in allen Regionen durchzuführen, dazu ist der logistische Aufwand zu groß. Und so kann jede Region von der vorherigen lernen.

Wird das Ganze noch mal in Berlin wiederholt?

Nein, die „Ungeschminkt“-Reihe ist logistisch so aufwändig, dass wir sie nur ein Mal pro Region durchführen können. Unser Anliegen war immer, die Teilnahme für alle kostenfrei zu halten. Das ist gar nicht so einfach, denn so ein Projekt ist sehr viel teurer als man es vermuten würde. Räume, Kameras, Ausleuchtung, Ton, Speichermedien für die Unmengen an Daten, Aufwendungen für die Webseite, Kino-Miete für das Screening, und vieles mehr. Diese Gelder wollen wir nicht aus Mitgliedsbeiträgen bestreiten, denn das würde bedeuten, dass die Mitglieder, die in Regionen wohnen, in denen das Projekt nicht stattfindet, benachteiligt würden. Daher versuchen wir, so wenig Mitgliedsbeiträge wie irgend möglich zu verwenden.

Welche Gewerke waren in der Jury vertreten?

  • Regie: Hartmut Schön („Zuckerbrot“, „Alleingang“, „Der Grenzer und das Mädchen“)
  • Redaktion: Dr. Josephine Schröder-Zebralla (Filmredaktion rbb, u.a. Berlin-Tatorte)
  • Produktion: Rainer Wemcken (langjähriger CEO von UFA-Serial bis 2016, 2017 Wechsel zur NDF als freier Produzent) und Uli Weis (Realisation, Produktion und Redaktion bei History Vision)
  • Buch: Ulla Kock am Brink (Drehbuchautorin für englische Serie, die gerade in der Übersetzung ist, dafür brauchen sie auch deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler)
  • Casting: Tina Thiele (Inhaberin von Casting-Network, Ideengeberin für die „Ungeschminkt“-Reihe)
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Welche Funktion hatte die Jury?

Die Jury hat im Vorfeld alle Clips gesichtet und nach „besonderen Momenten“ Ausschau gehalten. Bewusst haben wir auch dieses Mal wieder darauf verzichtet, einzelne Porträts auszuzeichnen. Wir alle sind so verschieden, dass wir uns keine Konkurrenz machen.

Interessant ist nicht nur, was in den Porträts erzählt wird, sondern genauso spannend ist das „Wie“. Wer sich den Trailer anschaut, wird verstehen, was gemeint ist. Die Kameraarbeit unterliegt anderen Kriterien als die Bühnenarbeit. Es genügen manchmal wenige Sekunden, um die „Essenz“ einer Schauspiel-Persönlichkeit einzufangen. Und selbst wenn sich Themen und Fragestellungen in manchen Clips ähneln, ist es doch verblüffend, wie unterschiedlich trotzdem die Porträts sind.

Deshalb wäre es bei diesem Projekt abwegig, Preise zu verleihen, denn es geht hier nicht um Konkurrenz, sondern um die Wertschätzung unserer Vielfalt.

Die Jury hat daher in den jeweiligen Regionen die Aufgabe, das gesamte Material zu sichten und die Momente zu vermerken, die ihnen besonders im Gedächtnis bleiben. Das bedeutet, dass sich Menschen in besetzungsrelevanten Positionen alle Porträts ansehen, sich intensiv mit dem Material auseinander setzen und sich so einen neuen Blick auf die Schauspielerschaft in ihrer Region erarbeiten. Diese intensive Auseinandersetzung ist sicherlich auch ein Grund dafür, warum in Nordrhein-Westfalen und in Bayern im Anschluss an die „Ungeschminkt“-Projekte jeweils zahlreiche neue Besetzungen erfolgten. Und auch für Berlin sind wir optimistisch:

Dr. Josephine Schröder-Zebralla, Filmredaktion Rundfunk Berlin-Brandenburg: „Mit den Casting Clips von „Berlin Ungeschminkt“ sind sinnvolle und aussagekräftige Arbeitsmittel für Regie, Casting und Redaktion entstanden, die Lust machen, sich damit mehr zu beschäftigen!“

Was passiert jetzt mit den Clips?

Die Clips sind ab sofort bei Filmmakers abrufbar. Die Casterinnen und Caster, die gerne mit diesem Zusatztool arbeiten, haben nun direkten Zugriff darauf, wenn sie jemanden vorschlagen möchten. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern steht offen, den Clip auch auf anderen Kanälen zu zeigen und zu verbreiten.

Wer seinen Clip irgendwann nicht mehr öffentlich zeigen möchte, setze sich bitte mit Filmmakers in Verbindung.

Das Berliner „Ungeschminkt“-Team hat für die Vorbereitung von „Berlin Ungeschminkt“ fast zwei Jahre ehrenamtlich unter erheblichem Zeitaufwand gearbeitet:

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Konzeption und Aufbau der Webseite, Dreh der Turorials, Anfragen der Mitglieder per Mail oder telefonisch beantworten, die Casterinnen und Caster zur Teilnahme gewinnen (immerhin sind es ganze Arbeitstage, die sie mit unserem Projekt verbringen, plus Sichtung des Materials), alle Termine koordinieren, das technische Equipment besorgen, den Dreh betreuen und gestalten, die Jury zusammen stellen und mit Informationen versorgen, das Material sichten, den Trailer schneiden, das Screening organisieren sowie die Nacharbeit und vieles mehr.

Das alles zu stemmen war ein gewaltiger Kraftakt. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch mal auf das allerherzlichste beim ganzen Team von „Berlin Ungeschminkt“ bedanken:

Ulrike Lodwig, Michael Ruscheinsky, Simona Theoharova, Johanna Debes und Uta Janietz!

Ihr habt alles dafür gegeben, es unseren Mitglieder aus Berlin so angenehm wie möglich zu machen. Und ihr habt das großartig gemacht. Vielen, vielen Dank an euch alle!

Auch den Helferinnen und Helfern bei den Dreharbeiten, den tapferen „Springerinnen und Springern“ und den Mitgliedern, die uns beim Screening mit köstlichen Kuchen versorgt und den Einlass organisiert haben, gilt mein herzlicher Dank!

Ebenso großen Dank an die ZAV Berlin. Diese hat uns die Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt und damit das Projekt überhaupt erst möglich gemacht. Sonja Sommer und ihre Kolleginnen und Kollegen haben sich rührend um uns gekümmert und eine äußerst herzliche Atmosphäre geschaffen!

Die teilnehmenden Casterinnen und Regisseurinnen hatten ein Riesenpensum zu bewältigen. Flexibel und verständnisvoll haben sie uns in der Organisation und am Set zur Seite gestanden. Sie haben dafür gesorgt, dass wir uns beim Dreh entspannen und unsere „Rüstung“ ablegen konnten, sie haben konzentriert und mit Freude auf uns geschaut und mit uns gearbeitet. Diese Atmosphäre des Schulterschlusses zwischen Besetzung und Schauspiel wurde von vielen explizit hervorgehoben und als sehr wohltuend empfunden. Vielen Dank für diesen außergewöhnlichen Einsatz an:

Iris Baumüller
Tina Böckenhauer
Ana Dávila
Sandra Dombrowski
Karimah El-Giamal
Sarah Lee
Stephanie Maile
Sonja Sommer
Barbara Teufel
Tatjana Turanskyj
Katrin Vorderwülbecke

Auch die Jury hatte ein ordentliches Pensum zu bearbeiten! Herzlichen Dank für das tolle Engagement und die Unterstützung an Hartmut Schön, Dr. Josephine Schröder-Zebralla, Rainer Wemcken, Uli Weis, Ulla Kock am Brink und Tina Thiele!

Unseren Schirmherren Iris Baumüller und Marc Schötteldreier sowie Tina Thiele als Ideengeberin ein großes Dankeschön, ebenso unserer Geschäftsstelle (Sabrina Haschemi, Maik Müller und Ekaterina Vassilevksi) und unserem Justiziar Bernhard Störkmann, die wie immer alle tatkräftig mit angepackt haben.

Dank an das Babylon-Kino und natürlich an alle Schauspielerinnen und Schauspieler, die den Mut hatten, mitzumachen!

Infos und Trailer abrufbar unter: www.bffs-ungeschminkt.de

Über Julia Beerhold

Julia Beerhold
Julia Beerhold wurde in Düsseldorf geboren mit dem Ziel, so schnell wie möglich etwas anderes zu sehen. Nach Aufenthalten in Malaysia, USA, Frankreich und Chile lebte sie etliche Jahre in Madrid und absolvierte dort auch ihr Schauspielstudium. Seitdem ist sie nicht weniger reiselustig, aber immerhin sesshaft in Köln. Nach Engagements an verschiedenen Bühnen und einer glanzvollen Karriere als Punkrockgitarristin bei den Bands KWIRL und G.C.Poma (Grrlism Causes Pimples On My Ass) tourte sie mehrere Jahre lang als Pianistin und Sängerin mit dem Serge-Gainsbourg-Abend „Ich liebe dich… ich auch nicht“.

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