© Nadja Klier

Mutter – Vater – Schauspielkind

Was darf’s denn sein … mit oder ohne?

Es klopft ganz vorsichtig an der Tür meines Wohnmobils. Bela, der Regieassistent fragt von draußen, wie lange wir noch brauchen. Wegen der Lichtstimmung. Die Sonne geht nämlich in den nächsten 30 Minuten unter.

Wir, das sind meine 3 Monate alte Tochter und ich. Es ist der erste Job, den ich nach der Geburt angenommen habe: Dreharbeiten in Ungarn. Gerade wird die Schlussszene gedreht. In einem Steinbruch, irgendwo. Aber meine Tochter hat Hunger und verweigert kategorisch und konsequent das Fläschchen. Außerdem tun meine Brüste weh und das Kostüm hat jetzt ein paar Spuren von Charlottes Mahlzeit aufzuweisen. Als wir fertig sind, ist die Sonne weg. Irgendwie hat es dann doch alles funktioniert. Und das tut es seitdem immer wieder. Irgendwie. Aber dieses „Irgendwie“ nervt.

Deswegen hatten Vorstandsmitglied Simone Wagner und ich die Idee, einen BFFS-Stammtisch zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu organisieren: „Mutter – Vater – Schauspieler?“

Schnell wurde an dem Abend in Frankfurt klar, dass das für ganz viele von uns ein sehr wichtiges Thema ist. Nach einem regen Austausch, Ideensammlungen und klaren Ansagen war klar, hier muss noch einiges passieren. Egal ob für Mann oder Frau.

Es kann doch nicht sein, dass wir zwar bei Dreharbeiten genau gefragt werden, wie wir das Catering gerne hätten: Mit oder ohne Fleisch, Laktose ja / nein? Gluten, Farb- und Konservierungsstoffe? Aber sobald unsere Kinder ins Spiel kommen, herrscht Funkstille?! Im schlimmsten Fall hören wir Tipps von Kolleginnen oder Kollegen, die einem abraten, dass Wort Kind auch nur ansatzweise zu erwähnen. Einmal schwanger – immer schwanger. „Mit Kind kannst du deine Schauspielkarriere vergessen!“, so eine erfahrene Schauspielerin. Übrigens, ohne Kind. Ach echt? Mit dieser Mär und auch der gähnenden Leere, äh, ich meine Stille, um dieses Thema sind wir als Mütter und Väter allein gelassen. Fazit: Macht jeder halt irgendwie für sich alleine! Da ist es wieder, das Wort…„Irgendwie“.

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Wir wollen das ändern! Wir möchten nicht mehr nur … „Irgendwie“. Nein, wir wollen Struktur, klare Regeln und wir wollen mehr Selbstbestimmung. Und zwar mit Kind und Karriere. Wir möchten das zusammen. Im BFFS, da draußen in der Welt. Schritt für Schritt.

Im ersten Schritt wollen wir wissen, was wird gebraucht, um Kinder und Beruf ausüben zu können?

Was sind die Bedürfnisse der Eltern / Mütter / Väter, die in der Film- und Theaterbranche arbeiten, wenn es darum geht, Karriere und Familie zu vereinbaren?

Aufenthaltsraum für Mutter / Vater und Kind bei Dreharbeiten, Babysittervermittlung durch Sender / Produktionsfirmen vor Ort, mobile Kitas, Kinderbetreuung am Theater, Notfallbabysitter, mehr Verständnis von Kollegen und Kolleginnen ohne Kinder, Änderungen beim Elterngeld, überhaupt tarifvertragliche Verbesserungen für Beschäftigte mit Kindern undundundund …

Darum bittet unser BFFS alle Mitglieder und alle Kollegen und Kolleginnen, sich an folgender Umfrage zu beteiligen:

Was hilft mir und meinem Kind beim Arbeiten?

Keine Sorge, diese Umfrage ist anonym und beansprucht nur ein paar Minuten.

Wir vom Team „Vereinbarkeit von Beruf & Familie“ möchten die Ergebnisse der Umfrage kategorisieren und priorisieren, um dann zu überlegen, welche konkreten Forderungen sich daraus ergeben, die unser BFFS künftig gegenüber Politik, Arbeitgeber, Sender stellen kann.

Wir sagen jetzt schon vielen Dank und werden natürlich alle auf dem Laufenden halten.

Eure Anna Böger (Team „Beruf & Familie“)

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