Rückhalt bei uns und Realitätssinn in beiden Welten

Erste Runde der Tarifverhandlungen

Nachdem ver.di den Mantel- und Gagentarifvertrag (der die Teamgagen betrifft) und zusammen mit unserem Bundesverband Schauspiel den Schauspieltarifvertrag zum 31. Dezember gekündigt hat, fand am 23. November mit der Produzentenallianz die erste Runde statt, diese Tarifverträge neu auszuhandeln.

Unser Bundesverband Schauspiel fordert …

für alle, die in den Schauspielberuf einsteigen, eine Erhöhung der sogenannte „Einstiegsgage“ (zurzeit 775 € je Drehtag). Seit ihrer Einführung im Jahr 2014 hat sich die auf den Berufseinstieg gemünzte Einstiegsgage auch stabilisierend auf die Gagen der anderen Kolleginnen und Kollegen ausgewirkt, die mehr Berufserfahrungen bzw. einen höheren Bekanntheitsgrad haben. Denn mit diesen Argumenten handeln wir bzw. unsere Agenturen unsere individuellen Gagen aus – natürlich entsprechend oberhalb der Einstiegsgage. Insofern würde sich eine erhöhte Einstiegsgage unmittelbar auf die unteren und mittelbar auf die höheren Gagen auswirken.

Wie wir leider immer wieder erleben, werden Schauspielerinnen vielfach schlechter vergütet als ihre männlichen Kollegen, auch wenn ihre Rollen gleichwertig sind. Zwar kann allein mit dem Schauspieltarifvertrag diese beschämende Situation nicht restlos beseitigt werden; denn er regelt nur die Einstiegsgage und verzichtet bewusst auf irgendwelche darüber hinaus gehenden Gagenraster. Aber trotzdem sollten die Tarifparteien unseren Kolleginnen den tariflichen Rückhalt bieten und klarstellen, dass eine schlechtere Vergütung aufgrund des Geschlechts nicht gerechtfertigt ist. Das fordert jedenfalls unser Bundesverband Schauspiel.

Darüber hinaus appelliert der Bundesverband Schauspiel an die anderen Tarifpartner, sich an der Einrichtung einer überbetrieblichen Beschwerdestelle, an die sich Opfer sexueller Übergriffe wenden können, zu beteiligen. Ein Appell der schon erhört wurde. Die Produzentenallianz und ver.di haben bereits eine entsprechende Einladung des Bundesverbands Schauspiel zum Gespräch am 29. November angenommen.

ver.di fordert …

eine Aufstockung der tariflichen Teamgagen und die Aufnahme neuer Berufe in die Gagentabelle. Auch soll mit einer Klarstellung im Manteltarifvertrag auf eine selbstverständliche aber oft missachtete Rechtsnorm hingewiesen werden: Rosinenpickerei ist nicht erlaubt. Wer z. B. über die gesetzlichen Tagesarbeitszeiten (von 8 Stunden, in Ausnahmefällen 10 Stunden) hinaus die großzügigere tarifliche Höchstarbeitszeit in Anspruch nehmen will, der muss sich vertraglich auch an alle anderen Mindeststandards des Tarifvertrags binden.

Lesenswert:   Brief des 1. Vorsitzenden Michael Brandner an die Mitglieder

Aber das Kernanliegen von ver.di, Bundesverband Schauspiel und allen Filmschaffenden ist die Verringerung der tariflichen Tageshöchstarbeitszeit auf maximal 12 Stunden.

Unterschiedliche Welten …

schienen in der ersten Verhandlungsrunde aufeinander zu stoßen. Die Forderungen der Gewerkschaften lösten bei der Produzentenallianz überwiegend den heftigsten Widerstand aus: Die Produzenten stünden „international unter erkennbarem Druck“ und die Vorstellungen der Gewerkschaftsseite seien, so die Produzentenallianz, „völlig aus der Welt“. ver.di und Bundesverband Schauspiel hielten dagegen: Die Filmschaffenden und ihre Familien litten unter explodierenden Mieten, überhaupt unter immer härteren Arbeits- und Lebensbedingungen und stünden mindestens genauso „erkennbar“ wie die Produzenten unter „Druck“. Zum Realitätssinn gehört eben die Sicht auf beide „Welten“.

Die nächste Verhandlungsrunde …

wird am 25. Januar 2018 in München stattfinden. Zwischenzeitlich haben sich die Berufsverbände von DIE FILMSCHAFFENDEN voll hinter die Hauptforderungen der Gewerkschaften ver.di und Bundesverband Schauspiel gestellt. Eine willkommene Unterstützung! Denn anders als die rein berufsständigen Interessenvertretungen haben Gewerkschaften wie ver.di und Bundesverband Schauspiel zwar das Privileg, in Tarifverhandlungen die Rahmenbedingungen unserer Arbeitswelt gestalten zu können. Aber am Ende werden Gewerkschaften und Arbeitgeber ihre Welten verschmelzen und dafür auch Kompromisse eingehen müssen. Und für uns werden diese Kompromisse umso besser ausfallen, je größer der Rückhalt bei uns und der Realitätssinn in beiden Welten zu Hause ist.